Nein, wenig Überraschendes an diesem Vorgang, der uns zu Ohren und vor Augen kam aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor unserer Medienwelt. Die Firma Bayer (Chemie) feierte ihren 125. Geburtstag. Zwei Mitarbeiter des WDR, in dem man solches darf, drehten einen frechen Geburtstagsgruß. Zeigten die Feierstunde (Zauberflöte, Kanzlerrede), und einiges andere, getreu dem Wort von Brecht, daß die Luftaufnahme einer Fabrik nicht zeige, wie sie funktioniert, und jenem andern Wort von Kanzler Kohl: entscheidend sei, was hinten rauskommt.

Zeigten also Kinderaspirin (und nannten die Bedenken), zeigten Pestizide (und nannten die Probleme), zeigten die grünlich-rötliche Soße, die aus dem Abflußrohr kommt (und keiner weiß was drin ist), die Kurven der Gewinne (steigend) und der Arbeitsplätze (sinkend). Nicht gerade freundlich, aber auch nicht schlimmer als die „Tagesthemen“.

Kaum überraschend, daß der Bayer-Vorstand protestierte (ohne irgend etwas zu widerlegen); der Vorsitzende des Betriebsrates „im Namen der 95.000 Kolleginnen und Kollegen“ schrieb, sie alle seien „stolz“ auf Bayer und sammelten nun Unterschriften gegen den WDR; und auch, daß Bayer kurz darauf die Werbespots beim WDR kündigte, konnte uns nicht überraschen. Ein wenig eher schon Friedrich Nowottnys Reaktion, fast nach wackrer, alter Intendantenart: Er sei, schrieb er, zwar nicht mit allem einverstanden, doch müsse Bayer sich nicht wundern: schließlich hätte sich die Firma beharrlich geweigert, Interviews zu geben, und Firmenveteranen nicht gestattet, vor die Kameras zu treten. Und deutlich kritisierte er die Konzern-Kampagne gegen seinen Sender. – Was den Kölner Express zur Schlagzeile „Bayer hat recht“ veranlaßte.

Nein, überrascht an dem ganzen Vorgang hat uns eigentlich nur eines: wie die beiden Reporter in ihrem Beitrag die Jubiläumsgäste fragten: Wieviel Macht hat Ihrer Meinung nach Bayer? Und wie die Herren Kohl und Rau und Heereman da sprachlos wurden, und nurmehr murmeln konnten: „nicht mehr als andere“, oder gar: „Den Begriff würde ich nicht gelten lassen.“ Macht, so lernen wir staunend, ist ein schmutziges Wort geworden. Aber ob sie davon weggeht?

Journalisten fragen – die richtigen Fragen, die Kinderfragen. Und kein Politiker weiß eine Antwort.

Finis