Wo Getriebe und Motor der Macht so verbraucht sind wie in Polen, hat auch ein „Technokrat“ am Steuer nicht mehr viel zu beherrschen. So klang die Rücktrittsrede des Ministerpräsidenten Messner im Warschauer Sejm mehr nach Resignation als nach Reue: „Die Regierungen gehen, die Probleme bleiben... Wieder sind wir für die Welt das Symbol von Anarchie geworden.“ Ein Nachfolger, wenn er nicht wieder nur als Sündenbock enden will, muß versuchen, das einzig Gute an Polens schlechter Lage, den diffusen Willen zur Wende, zu nutzen. Das kann freilich nur gelingen, wenn die Partei jeden Versuch aufgibt, sich waschen zu wollen, ohne naß zu werden – also Hilfe von ihren Opponenten zu erwarten, ohne Macht und Verantwortung mit ihnen zu teilen.

„Wir sind bereit, naß zu werden – wir sind soweit, zu verstehen, daß wir nicht nur formell etwas ändern müssen“, sagte Politbüromitglied Rakowski am Dienstagabend freimütig am Telephon nach einer dramatischen Sitzung des höchsten Führungsgremiums. Am runden Tisch, an dem Lech Walesa sitzen wird, soll „ohne falsches Spiel eine historische Aufgabe“ angepackt werden: System-, nicht nur Wirtschaftsreform. Wenn die Partei, wie Rakowski sagt, ehrlich handeln will, muß sie wie die ernüchterte Solidarnosc-Führung den höchsten Einsatz wagen: den offenen Kompromiß auch mit sich selbst. Hj.Ste.