Von Rainer Hupe

Das war so recht nach Eugen Wagners Geschmack. Am Freitag vergangener Woche besuchte der Hamburger Bausenator eine Kläranlage der Hansestadt, gegen die Umweltschützer wegen mangelnder Reinigungsleistung heftig protestiert hatten. Inzwischen arbeitet die Anlage weit besser, als .selbst die Konstrukteure erwarteten. Und weil es mittlerweile schick ist, die durch die Umweltzerstörung verstörten Bürger mit demonstrativen Gesten zu beruhigen – Bonns Umweltminister durchschwamm erst kürzlich den Rhein, und sein bayerischer Amtskollege löffelte nach dem Unfall von Tschernobyl verstrahlte Molke –, ließ auch Eugen Wagner sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Er trank einen Schluck des gereinigten Wassers und nahm einen Schnaps hinterher – Fall erledigt!

So betreibt der Senator gern Politik: einfach und klar. Als er 1985, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, als Bausenator gefragt wurde, worauf er denn stolz sei, antwortete er unter anderem: „Ich habe dafür gesorgt, daß Hamburgs Straßenlaternen nicht wegen übertriebener Sparsamkeit ausgingen.“ Im Konflikt um die besetzten Häuser an der Hafenstraße war er immer für Räumen, egal ob dies die Verträge zuließen. „Um das Mietrecht und die Juristerei und diese ganzen Themen habe ich mich nie gekümmert“, bekannte er noch im August freimütig vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß zu diesem Thema. Seine Devise im Amt heißt: „Ich brauche nämlich immer was zum Beißen und Kämpfen, und davon gibt es hier genug.“

Da muß ihm der neueste Fall gerade recht kommen. Denn dem stadteigenen Wohnungsbauunternehmen Saga droht die Pleite. Die Firma wurde 1972 aus bis dahin vier eigenständigen städtischen Wohnungsgesellschaften gegründet. Sie verwaltet knapp 100 000 zumeist Sozialwohnungen für einkommensschwache und benachteiligte Bevölkerungsgruppen und ist damit nicht nur größter Vermieter der Hansestadt, sondern auch eines der größten Unternehmen dieser Art in der Bundesrepublik. In den vergangenen beiden Geschäftsjahren mußten Verluste von mehr als vierzig Millionen Mark aus den Reserven beglichen werden.

Doch das war offenbar nur ein Vorgeschmack für das drohende Unheil. In einem Gutachten, das der Saga-Vorstand im Oktober vergangenen Jahres bei den renommierten Münchner Unternehmensberatern Roland Berger und Partner in Auftrag gab, steht nämlich klipp und klar: „Das Unternehmen verfügt über kein umfassendes, klares strategisches Konzept.“ Die Ratgeber kommen deshalb zu dem Schluß: „Das Scheitern des Unternehmens wird unvermeidlich sein, wenn nicht umgehend konsequent gegengesteuert wird.“

Nun wäre das noch kein Fall für Eugen Wagner, obwohl er als Bausenator auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaft ist. Für ein Konzept hat schließlich der Vorstand zu sorgen, und er muß die Firma so führen, daß sie wirtschaftlich arbeitet. Doch die Firma war immer schon Instrument der Wohnungspolitik in der Hansestadt, sie mußte Sozialwohnungen bauen und Problemgruppen versorgen. Und vor dem Untersuchungsausschuß Hafenstraße – die Saga verwaltete die besetzten Häuser – hat der Bausenator in aller Deutlichkeit klargemacht, wer das Sagen hat: „Wenn ein Anteilseigner 37 Prozent eines Unternehmens hat, dann genügt es, wenn er mit dem linken Ohr wackelt, und es geht nach links; wackelt er mit dem rechten Ohr, geht’s nach rechts. Und wir haben hundert Prozent an der Saga.“