DIE ZEIT

Aus für Kalkar?

Notleidend war er schon häufiger, der schnelle Brüter im niederrheinischen Kalkar. Doch seit die Bundesregierung die Betreiber und die Elektrizitäts-Versorgungsunternehmen zur Mitfinanzierung des Sieben-Milliarden-Projekts heranzieht, haben die Brüterkrisen eine andere Qualität bekommen.

Unterlaufen

Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz mag guten Glaubens gewesen sein, als er nach der Katastrophe von Ramstein verkündete, in der Bundeswehr gebe es keine Kunstflugstaffel; wenn gleichwohl Militärjets an Flugtagen teilnähmen, dann nur, um Alltägliches aus der Fliegerroutine vorzuführen und unsere Verteidigungsbereitschaft zu demonstrieren.

Einsatz

Wo Getriebe und Motor der Macht so verbraucht sind wie in Polen, hat auch ein „Technokrat“ am Steuer nicht mehr viel zu beherrschen.

War’s nur Feigheit vor dem Feind?

Jahrhundertelang war appeasement ein hochanständiges Wort. Es brachte das Ziel aller Staatskunst auf den Begriff: Beruhigung, Befriedung, Versöhnung.

Genötigt

Welchen Anlaß gibt es eigentlich, den Bundespräsidenten zu kritisieren? Hätte er zwei reumütige Terroristen begnadigt – er wüßte, daß viele Bürger sich mit einer solchen Entscheidung schwertun würden, wie immer eindrucksvoll er sie begründen würde.

Zeitspiegel

Ganz im Zeichen russischer Kultur stehen die Zürcher Festwochen 1989. Stadtpräsident Thomas Wagner will den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow als Stargast für die Eröffnung gewinnen.

John R. Galvin

Er sieht, nicht aus wie ein Mann, der Armeen in die Schlacht führt, sondern eher wie ein väterlicher Universitätspräsident – eben wie ein moderner Soldat im Zeitalter von Abschreckung und Entspannung.

Wolfgang Ebert: Bankraub

Bitte unauffällig folgen“, zischelten die beiden muskulösen Männer Herrn Redlich in die Ohren, als er gerade die Schalterhalle seiner Hausbank betreten wollte, und verschleppten ihn im klassischen Polizeigriff in einen versteckten Verschlag, wo sie ihn von seinem Knebel befreiten.

NACHLESE: Carlsson bleibt am Ruder

Schwedens Sozialdemokraten bleiben die Musterknaben der europäischen Linksparteien. Seit 1932 waren sie nur sechs Jahre lang nicht am Regieren.

BONNER BÜHNE: Auf geradlinigen Umwegen

Eine kam durch. Die SPD hat Ingrid Matthäus-Maier zu ihrer Sprecherin in Sachen Finanzpolitik und damit zur Gegenspielerin Gerhard Stoltenbergs gewählt.

Berthold Beitz wird 75: Ein Olympier im Revier

Ja, ich weiß wohl: Berthold Beitz ist umstritten – in seinem Leben hat es mehr „Auf und Ab“ als üblich gegeben. Es gibt hymnische Lobpreisungen; sie wechseln mit bissiger Schelte, da erholen sich die Schreiber von ihrem Lob.

WELTBÜHNE: Menschen und Medaillen

Die Dinge, um die es geht bei Olympischen Spielen, sind mit Geld nicht zu bezahlen, aber sie haben ihren Preis. Die Goldmedaille kostet rund 800 Mark, die silberne rund 400 Mark, die bronzene rund 80 Mark – in der Herstellung.

Hamadi-Prozeß: Lied für den Entführer

Sie ist angekündigt worden wie eine Heldin. Ulrike Derickson, Chefstewardeß der amerikanischen Fluggesellschaft TWA, habe Mut und Geistesgegenwart bewiesen, hieß es, und Nerven wie Drahtseile gehabt.

„Knapp, aber gekonnt verfehlt“

Einen Tag nach der Flugtag-Katastrophe von Ramstein hatte Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz in einer Sondersendung des ZDF der geschockten Nation Beruhigendes mitzuteilen: Die Bundeswehr, so antwortete er auf eine Frage des Moderators Ruprecht Eser, unterhalte keine Kunstflugstaffel wie die „Frecce Tricolori“.

Ordnung muß sein

Nichts bleibt dem Zufall überlassen. Von der Büroklammer nach US-Norm bis zum Willkommensgruß im Hotelzimmer, an alles haben die Organisatoren der gemeinsamen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds IWF) und der Weltbank gedacht.

Rette sich, wer kann?

Ein wenig kleingemustert und glanzlos wirkt schon, was Norbert Blüm diese Woche der Unionsfraktion zur Lösung eines Jahrhundertproblems präsentiert hat.

Binnenmarkt: Aufschub

Die anfängliche Begeisterung über die Perspektive eines europäischen Binnenmarktes hat sich gelegt. Auch den Optimisten wird bewußt, wie viele Hürden vor diesem Ziel erst überwunden werden müssen.

Umweltschutz: Fehlschlag

Bei seiner Analyse vergangener Fehler kennt Bundesumweltminister Klaus Töpfer keine Tabus. Unser Wirtschaftswachstum, bekannte er vor kurzem in der Haushaltsdebatte des Bundestages, haben wir durch einen übermäßigen Verbrauch von Natur subventioniert.

Wolfgang Hoffmann:: Der Kurzschluß des Ministers

Seit 1982 steht Christian Schwarz-Schilling an der Spitze der Deutschen Bundespost, und seither ist von Reform die Rede. Privatisierung, Teilprivatisierung, Entmonopolisierung, Deregulierung, Wettbewerb und mehr Flexibilität sind Begriffe, die einen langen Weg markieren, auf dem Pläne und Konzepte entworfen und wieder verworfen wurden.

Strukturhilfe: Schacher

Das Strukturhilfeprogramm, Bonner Ersatz für Ernst Albrechts gescheiterten Sozialhilfeplan, zugleich Morgengabe für Niedersachsens Zustimmung zur Steuerreform, erweist sich immer mehr als Farce.

Entwicklungspolitik: Tragödie in der Wüste

Die Hauptstadt ist die einzige Stadt des Landes. Sie ist modern, zweckmäßig, sauber, bescheiden: keine Slums, keine Protzbauten, kein Verkehrschaos auf den Straßen, keine bettelnden Kinder mit aufgedunsenen Bäuchen.

Gierige Gruftis

Wütende Rentner formieren sich zum Angriffskeil. Mit Golfschlägern und Gartenschaufeln bewaffnet gehen ältere Männer und Frauen auf dem Titelblatt eines angesehenen amerikanischen Magazins auf die Leser los.

Hamburger Wohnungsbau: Forsch in die Pleite

Das war so recht nach Eugen Wagners Geschmack. Am Freitag vergangener Woche besuchte der Hamburger Bausenator eine Kläranlage der Hansestadt, gegen die Umweltschützer wegen mangelnder Reinigungsleistung heftig protestiert hatten.

Markt-Report: Aktien auf Gipfelkurs

In den vergangenen Tagen haben deutsche Aktien neue Jahreshöchstkurse erreicht. Daß es dabei immer wieder zu Schwankungen und Rückschlägen gekommen ist, beunruhigt die Börsianer wenig.

Bank und Börse: Liffe lockt deutsche Börsianer

Am Morgen des 29. September wird auf dem Parkett der Londoner Börse eine Glocke ertönen. Junge Leute in bunten Jacken werden so etwas rufen wie „fünf für zehn“, während andere Kurse notieren und auf die Anzeigetafel über den Köpfen der Marktteilnehmer projizieren.

Ein Fonds für die Türkei

Esters: Ich hoffe nicht. Wir sind uns im Parlament ja weitgehend einig, daß Rückflüsse der finanziellen Zusammenarbeit schrittweise zur Finanzierung neuer Maßnahmen eingesetzt werden sollen.

ZEITRAFFER

Männer verdienen noch immer deutlich mehr als Frauen. 1987 waren die Löhne und Gehälter von Arbeitern rund 44 Prozent, die von Angestellten je nach Branche zwischen 53,2 Prozent und 45 Prozent höher als die ihrer Kolleginnen.

MANAGER UND MÄRKTE

Für Carl H. Hahn, den Chef des Volkswagen-Konzerns, hat es schon immer einen besonderen Reiz gehabt, die Nummer eins zu sein.

LÄNDER IM VERGLEICH

Ob gekocht, gebacken oder gebraten, gestampft oder geschnippelt, die Kartoffel ist in vielen Ländern ein Grundnahrungsmittel erster Ordnung.

Freier als ein Schiedsrichter

ZEIT: Herr Professor Kissel, Ihr Vorgänger Gerhard Müller hat sich oft beklagt, daß der Gesetzgeber das Bundesarbeitsgericht als „Ersatzgesetzgeber“ fungieren läßt.

Der Entwurf der Professoren

Am 8. September haben die Professoren Rolf Birk, Horst Konzen, Manfred Löwisch und Thomas Kaiser einen Entwurf für ein Arbeitskampfgesetz vorgelegt, der im wesentlichen die bisherige Rechtsprechung festschreibt.

Neue Medien: Wirtschaft zum Frühstück

Information ist Geld. Deshalb sollten sich Manager und politische Entscheidungsträger bereits, wenn sie ihren Frühstückskaffee schlürfen, spätestens aber in den ersten Bürostunden ein (Fernseh-)Bild über die allerneuesten wirtschaftlichen Entwicklungen machen können.

Sowjetunion: Tschernobyl und die Folgen

Moskau, Anfang Juli: Auf der 19. Allunionskonferenz der KPdSU erhebt der ukrainische Schriftsteller Boris Olijnik leidenschaftlichen Protest gegen den Ausbau der Kernenergie in seinem vom Reaktorunglück in Tschernobyl geplagten Land.

Firmenaufkäufe: Größenrausch oder Provinzialismus?

Otto Schlecht, Staatssekretär im Bonner Wirtschaftsministerium, paßt die ganze Richtung nicht. Er habe, bekannte der solide Schwabe Ende Juni vor der Internationalen Kartellkonferenz in Berlin, "eine gesunde Skepsis vor dem Rausch der Größe bewahrt, dem manche Unternehmer und Politiker verfallen zu sein scheinen".

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