Da sind sie wieder, die professionellen Konjunkturpessimisten, über die sich Wirtschaftsminister Martin Bangemann so gerne erregt. Kaum hat der letzte Bundesbürger kapiert, daß in diesem Jahr das Wachstum des Sozialprodukts locker die drei Prozent erreichen oder gar übersteigen wird, da melden sich schon die Miesmacher zu Wort: "Nach kräftigem Aufstieg" (drei Prozent Wachstum) "droht Schwungverlust"; die Westdeutsche Landesbank verkündet für 1989 einen Rückgang auf 1,5 Prozent.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin läßt sich offensichtlich nicht von der Konjunktureuphorie anstecken. Die Berliner konstatieren mit Sorge, daß in der Bundesrepublik und den USA die Zinsen wieder das Niveau vom vergangenen Herbst erreicht haben: "Zu befürchten ist, daß so erneut der Keim einer Baisse an den Weltbörsen gelegt ist."

Nach manchem vergeblichen Anlauf hat es Reinhold Kreile geschafft, in den Bundestag nachzurücken. Ausgerechnet in der Woche, in der die Steuerreform 1990 ihre letzte parlamentarische Hürde nahm, wurde der Platz für den CSU-Steuerexperten frei.

Voll gelungen ist dem Professor und Fachanwalt für Steuerrecht aus München sein Bonner Comeback allerdings nicht: Seine Fraktion schickte ihn in den Rechtsausschuß, dem Finanzausschuß gehört er künftig nur noch als stellvertretendes Mitglied an. Vorsitzender des Arbeitskreises Finanzen und Haushalt der CDU/CSU-Fraktion bleibt somit Michael Glos (CSU). Der Müllermeister aus Schweinfurt hat auch nach außen sichtbar Kreiles Nachfolge angetreten: Er residiert im 14. Stock des Langen Eugen in Kreiles früherem Eckbüro.

Im Clinch mit seiner Unionsfraktion liegt wieder einmal Kurt Biedenkopf. Weder am Montag noch am Dienstag kam es in den Fraktionssitzungen zur geplanten Aussprache über die Reform der Rentenversicherung. Das wurmte Biedenkopf um so mehr, als Wolfgang Vogt, CDU-Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, die Vorstellungen des Professors über eine Grundrente in einer schriftlichen Erklärung als "Störpotential" und "gezielte Verarmung" abqualifiziert hatte.

Postwendend verschickte Biedenkopf an die zuständigen Gremien seiner Fraktion eine Stellungnahme. Tenor: "Die Bezeichnung alternativer Reformkonzepte als ‚Störfaktor‘ ist unvereinbar mit dem politischen Willen der CDU, die Reform der gesetzlichen Alterssicherung einschließlich alternativer Vorschläge intensiv zu behandeln." Intensiv scheint sich Vogt mit Biedenkopf in der Tat nicht auseinandergesetzt zu haben. Biedenkopf: "Der Vorwurf der gezielten Verarmung‘, mit dem die Diskussion alternativer Vorschläge verhindert werden soll, grenzt an Verleumdung."

Noch im vergangenen Juli lagen sich Gerhard Stoltenberg und die Vertreter der Kommunen in den Haaren. Die Steuereinnahmen der Gemeinden waren im ersten Quartal 1988 um fast zehn Prozent höher ausgefallen als im Vorjahr. Während der Finanzminister diese "phantastische Entwicklung" hervorhob, warfen die Kommunen ihm "Taschenspielertricks" vor, weil das erste Vierteljahr immer untypisch für den weiteren Jahresverlauf sei.