Ein ZEIT-Gespräch mit dem DDR-Verteidigungsminister Heinz Keßler

Sicherheit in Europa – durch Rüstung oder durch Abrüstung? Die Diskussion darüber wird die nächste Zeit beherrschen. Es wird um konventionelle Waffen und um taktische Atomwaffen gehen, um die Militärdoktrinen der beiden Pakte und um spiegelverkehrte Bedrohungsängste, reale wie eingebildete. Dabei wird es auch von der Einstellung der beiden deutschen Staaten abhängen, ob und wie schnell der Dialog vorankommt.

Indirekt forderte der DDR-Minister für Nationale Verteidigung, Heinz Keßler, seinen Bonner Kollegen Rupert Scholz unlängst zum Gespräch auf. Eine offizielle Einladung liegt noch nicht vor. Der Bundesverteidigungsminister erklärt, er werde mit jedem reden, der etwas zu sagen habe. Ein Treffen der beiden deutschen Verteidigungsminister erscheint nicht länger ausgeschlossen.

In der vorigen Woche hat der Minister Keßler der ZEIT ein Interview gegeben. Zwei Stunden lang unterhielten sich Chefredakteur Theo Sommer und Marlies Menge, DDR-Korrespondentin der ZEIT, in einem Gästehaus im Ostberliner Stadtteil Karolinenhof mit ihm. Ihre Themen: Schießbefehl und Grenzregime; Kräftevergleich zwischen Ost und, West; verdünnte Zonen oder weiträumiger Abbau von militärischen Übergewichten; Preußens Gloria in der Nationalen Volksarmee; Feindbild und Erziehung zum Haß in der DDR; Umlernen und Umdenken bei den Militärs hüben und drüben.

Wir veröffentlichen das Protokoll des Gesprächs – das zweite Gespräch eines führenden DDR-Staatsmannes nach dem ZEIT-Interview mit Erich Honecker im Januar 1986 – auf den Seiten 4 bis 8. Vorangegangen war in der vorigen Ausgabe der Abdruck eines Interviews mit dem Nato-Oberkommandierenden, General John R. Galvin. Ein Interview mit Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz veröffentlichen wir in der kommenden Woche. DZ