Immer wenn sich heutzutage irgendwo in Deutschland ein Theatervorhang oder ein Taktstock hebt, wenn eine Sängerin ihren Mund oder ein Flohzirkus seine Pforten öffnet, fragt der Kenner nicht, was gegeben wird, sondern wer gegeben hat.

Wer ist der Sponsor?

Das Sponsoring (neudeutsch: sponsern; Partizip Perfekt: gesponsert) kultureller Ereignisse durch finanzstarke Wirtschaftsunternehmen hat in den USA schon Tradition. In Deutschland ist Sponsoring eine neue Masche des alten Mäzenatentums. Kapital und Kunst proben noch die Kooperation. Gelegentlich kommt es zu Fehltritten. Die Europäische Management- und Marketing-Agentur (EMMA) hat neuerdings ein "Sponsortiment Klassik & Kapital" entwickelt, um Sponsoren, Künstler und Publikum gleichermaßen zufriedenzustellen.

"Halten Sie es für falsch", erkundigt sich ein potentieller Sponsor bei der EMMA-Geschäftsleitung, "wenn ein Konzern, der im Rüstungsgeschäft verdient, ein Theaterstück sponsern möchte, in dem es um Frieden geht?"

"Durchaus nicht", sagt EMMA-Direktionsassistent Dr. Günter P., der das "Sponsortiment Klassik & Kapital" betreut, "ganz im Gegenteil. Man könnte darin geradezu einen Akt ausgleichender Gerechtigkeit oder eine Ablösesumme sehen. Denken Sie doch an den alten Spruch: Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt."

"Solche Sprüche", sagt der potentielle Sponsor, "ziehen heute nicht mehr."

"Nein", räumt Dr. P. bereitwillig ein, "aber heute gilt eine ähnliche Spruchweisheit."