Robert Lembkes "Was bin ich?" – Seit 33 Jahren eine tragende Säule deutscher Fernseh-Unterhaltung

Von Viola Roggenkamp

Auch das noch! Ich kann wirklich nicht alles machen. Er sollte ein Team optieren, und dann ruft er den Schweinböck an. Er soll den Ludwig...". Sätze von Bedeutung fliegen durch den Raum. Das Telephon klingelt. Die Tür wird geöffnet. Der vielbeschäftigte stellvertretende Unterhaltungschef des Bayerischen Rundfunks, Abteilung Fernsehen, Gerhard Schmitt-Thiel, eilt unwillig nach nebenan in sein Zimmer und überläßt das normale Durcheinander eines kreativen Arbeitstages seinen Mitarbeiterinnen.

Eine junge Frau steckt den Kopf zur Tür herein und bleibt mit den Füßen im Flur: "Die Mohrenköpfe sind da. Wohin sollen die?" Die Sekretärin hebt den Hörer ab und blickt auf: "Grüß Sie Gott, Frau..." (dann ins Telephon) "Hallo?" (und wieder zur Tür) "In die Requisite." Die junge Frau nickt und schließt die Tür von außen. Nicht, ohne vorher den Kopf zurückgezogen zu haben. "Ja! Wir warten hier auf ihn", ruft die Sekretärin erfreut ins Telephon, ihre Ungeduld hinter Heiterkeit verbergend. "Wo steckt er denn? – Im ‚Gockel‘? Aber er sollte doch hierher kommen. – Und die 1000 Autogrammkarten? – Ich werd’s ausrichten." Sie legt auf und ruft durch die offene Tür: "Der Herr Lembke sitzt im ‚Gockel‘." – "Und die Kandidaten?", ruft es aus einem anderen Zimmer zurück. Die sitzen unten beim Pförtner und sind etwas aufgeregt. Elisabeth Gädgens, die ewig emsige Redakteurin im "U-Bereich", wird die drei Gäste gleich an die Hand nehmen und zum Herrn Lembke bringen.

Fünfmal im Jahr werden jeweils zwei Sendungen von "Was bin ich?" im Studio 2 in München-Unterföhring aufgezeichnet, und zehnmal im Jahr wird "Das heitere Beruferaten" mit Robert Lemb-Re und dem vierköpfigen Rate-Team um 20.15 Uhr im Ersten Programm gesendet: seit 33 Jahren, insgesamt jetzt 334 Sendungen à 45 Minuten, rund 1700 Berufe bislang und ebenso viele Kandidaten, jedesmal wenigstens 30 Prozent Einschaltquote oder fast 14 Millionen Fernsehzuschauer (das kommt einem Fußball-Länderspiel BRD/Italien gleich), Durchschnittsalter des Rate-Teams inzwischen 65,7 Jahre, alle zusammen zählen sie 338 Jahre, wovon auf Robert Lembke 75 entfallen oder auch eineinhalb gefüllte Schweinderl, wenn man für jedes Jahr ein Fünf-Mark-Stück zählt. So aber kommt man dem Geheimnis von "Was bin ich?" auch nicht auf die Spur. Warum ist diese Sendung so erfolgreich wie keine andere Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen?

Quizmaster von beachtlichem Beliebtheitsgrad, wie Rudi Carell, Wim Toelke, Frank Elstner, Thomas Gottschalk und auch Sigi Harreis oder Mike Krüger, zerbrechen sich ihre hochbezahlten Köpfe vor jedem Quiz aufs Neue, um Gags, Einfälle, Witze und Konzepte nicht stehlen zu müssen, was kaum noch zu vermeiden ist. Allein Robert Lembke, an dessen ganz eigene Ausstrahlung sie alle nicht heranreichen, macht sich vor keiner Sendung verrückt. Er braucht keine Gags und keine neuen Ideen. Bei "Was bin ich?" blieb schon immer alles beim alten.

Robert Lembke sitzt im "Gockel" und ißt schweigend und in stetigem Tempo Schweinderlbraten mit viel Sauce und Kartoffeln. In dieser Beschäftigung läßt er sich durch nichts stören. Auch nicht durch die Blicke seiner drei Berufs-Kandidaten, die auf ihr Essen noch warten und stumm, aber hingerissen dem Herrn Lembke bei dessen Tätigkeit mit Messer und Gabel zusehen. Im Hintergrund des Restaurants zirpt und jodelt Heimatmusik aus dem Bayernland.