Von Wolfgang Hoffmann

Ihre Basis, die Genossen und Genossinnen des Bundestagswahlkreises Rhein-Sieg I, weiß sie seit dem Tag hinter sich, an dem sie das erste Mal für die SPD zum 10. Deutschen Bundestag kandidierte – im Winter 1982/83. Wenige Monate nach der Bonner Wende stimmten 76 von 80 Bezirksdelegierten für Ingrid Matthäus-Maier, die ehemalige FDP-Abgeordnete, die mit der Wende aus der Partei austrat und ihr Bundestagsmandat zurückgab.

Nach ihrer Nominierung zur Kandidatin prophezeite man ihr: "Wenn du erst mal hier im politischen Alltag stehst, dann schaffst du dieses Ergebnis nie mehr." Vier Jahre später hat sie es sogar noch übertroffen. 79 von 80 Delegierten stimmten für sie als Kandidatin für den 11. Bundestag. Ziemlich sicher wird sie beim nächsten Mal auch das Ergebnis übertreffen, mit dem die SPD-Fraktion sie am vergangenen Dienstag zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt hat (110 von 147 abgegebenen Stimmen). Zugleich wurde sie damit Dezernentin, Vorsitzende des wichtigen Arbeitskreises Öffentliche Finanzen, Nachfolgerin von Hans Apel, dem ehemaligen SPD-Finanzminister. Ihm hatte der jüngste SPD-Parteitag Sitz und Stimme im Parteivorstand verweigert. Apel gab das Amt ab. Für Fraktionschef Hans-Jochen Vogel war Ingrid Matthäus-Maier unter vier guten Möglichkeiten die beste Wahl. Sie hat zudem den Vorzug, daß mit ihr die neue Frauenquote der SPD fast erfüllt ist. Drei der acht Vogel-Vizes sind nun Frauen.

Eine Quoten-Frau ist Ingrid Matthäus-Maier dennoch nicht; das war sie nie, auch wenn sie die Quotenregel auf dem Parteitag voll unterstützte. Gleichberechtigung hat sich im Leben von Ingrid Matthäus-Maier – im privaten wie im politischen – schon seit langem erfüllt. Ehemann Robert Maier, ein Mathematiker, hat seinen Beruf hintangestellt, er hält seiner Frau den Rücken frei für ihren Beruf im Parlament. Aber das Gespann Matthäus-Maier ist mehr als eine Umkehrung der traditionellen Verhältnisse, es sieht sich als Einheit bei der Arbeitsteilung. Der eine Teil, sie, wirkt nach außen, der andere, er, innen als erster und engster Mitarbeiter.

Ingrid Matthäus-Maier, von Beruf Verwaltungsrichterin mit Rückkehroption – das sichert ein hohes Maß an Unabhängigkeit –, macht in der Politik seit 1972 von sich reden. Sie war die erste Frau an der Spitze eines politischen Jugendverbandes der Bonner Parteien, der Jungdemokraten, damals Nachwuchstruppe der FDP. Knapp ein Jahr später wurde sie wieder abgewählt. Die Männer nahmen ihr zweierlei krumm: Sie hatte sich um ein Bundestagsmandat beworben und stand in dem Ruf, autoritär zu sein.

Mit Mehrheit etwas verändern