DIE ZEIT

Seid fair zu Lady de Gaulle!

Bröckelt Europa? Als wäre Margaret Thatcher der Trompeter von Jericho, genügten in der vergangenen Woche zwei Reden, die sie über die "Zukunft Europas" hielt, um der Welt wieder das vertraute Bild von den uneinigen und schwachen Europäern zu vermitteln.

"Die Karten auf den Tisch"

Sicherheit in Europa – durch Rüstung oder durch Abrüstung? Die Diskussion darüber wird die nächste Zeit beherrschen. Es wird um konventionelle Waffen und um taktische Atomwaffen gehen, um die Militärdoktrinen der beiden Pakte und um spiegelverkehrte Bedrohungsängste, reale wie eingebildete.

Auf sich gestellt

Inzwischen kann es kaum mehr einen Zweifel geben: Der Anschlag auf den Internationalen kretär Hans Tietmeyer eine Woche vor Beginn der Tagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds war ein Kommandounternehmen der "Roten Armee Fraktion".

Olympisches Falschgold

Ein Mann zog seine Bahn: Hundert Meter in 9,79 Sekunden. Nie zuvor war ein Mensch schneller gelaufen als der Kanadier Ben Johnson am Samstag im Finale der kurzen Sprintstrecke bei den Olympischen Spielen in Seoul.

Worte der Woche

Was hat Margaret Thatcher mit alten Steinway-Flügeln zu tun? Eine ganze Menge, wenigstens nach Auffassung des Klavierspezialisten im Londoner Auktionshaus Philips Richard Reason.

Heinz Keßler

Er trägt die erdbraune Uniform der Nationalen Volksarmee, komplett mit geflochtenen Achselstücken, roten Kragenspiegeln, breiten Generalsbiesen an der Hose und zwölf Reihen Ordensschnallen auf der Brust.

Libanon: Streit um das Erbe

Nach Jahren des Bürgerkrieges liegt der Libanon nun im Koma: Hat Präsident Amin Gemayel jetzt den Totenschein ausgestellt? Nach den Buchstaben der Verfassung hätte für ihn längst ein maronitischer Nachfolger gefunden werden müssen.

Neuer Ministerpräsident in Polen: Ein Realist soll Wunder tun

Bitter schmeckt die Macht, wenn sie zu spät auf längst schon überzogenem Kredit erworben wird. Das bekommt jetzt der Mann zu spüren, der in Polen als Regierungschef versuchen soll, woran er schon mehrfach fast verzweifelt war: Mieczyslaw Rakowski riskiert das, wie er ahnt, "abenteuerliche" Unternehmen, das kommunistische Staats- und Wirtschaftssystem (oder das, was nach den Krisenjahren davon übrig ist) einer so radikalen Reformkur zu unterziehen, daß sich die skeptische Nation noch einmal auf einen Arbeitskompromiß mit ihm einlassen kann.

Weltbühne: Der Sieger am Pranger

Die Welt hatte gerade angehoben, ihn zu feiern – da war schon aller Feiern Abend. Als die Nachricht kam, waren die Hymnen im schönsten Schwange, die Schlagzeilen noch heiß und mancher Text schon nicht mehr zu stoppen (so auch der Bericht auf Seite 95 dieser Ausgabe der ZEIT, der aus technischen Gründen früher gedruckt werden mußte).

Nachlese: Gorbatschows Warnung

Kann es angehen, daß Leute randalieren und Brände legen, und wir sitzen tatenlos da und predigen? Sicherlich nicht!" Diese warnenden Worte richtete Generalsekretär Michail Gorbatschow diese Woche an die rebellischen Sowjetbürger in Transkaukasien.

In Kabul:: Unruhe vor dem Sturm

Vor dem großen Ballsaal des Hotel Intercontinental staut sich eine lange Reihe von Autos und Kleinbussen. Dem letzten, einem girlandengeschmückten, brandneuen Mercedes, entsteigt, blaß geschminkt, eine Braut.

Autobahn: Adresse A 430

Im Parterre ist der Lärm noch erträglich. Aber im ersten Stock dröhnt es schon ziemlich laut. Eine Mauer aus Beton hätte den Krach auch im Obergeschoß gemildert.

EG-Getreideberge: Gefahr durch Phosphin

Ein klarer Himmel liegt über dem Dorf Eschelbronn im Rhein-Neckar-Kreis. Keine Wolke trübt das Blau, niemand kann ahnen, was sich hinter den Wellblechwänden einer Scheune am Dorfrand zuträgt.

Kein Asyl: Rausfliegen mit Lufthansa

Fünf Angestellte des fliegenden Personals haben mit Unterstützung der ÖTV im Frühjahr beim Frankfurter Arbeitsgericht eine Klage gegen die Lufthansa eingereicht (DIE ZEIT, Nr.

Nichts Linkes: Was brave Studenten lesen sollen

Dürfen bayerische Studentenvertreter die taz abonnieren? Nein, fand die Leitung der Passauer Universität: Sie folgte einer Weisung des Bayerischen Wissenschaftministeriums und sperrte dem Passauer Sprecherrat die Mittel dafür.

Barlach-Skulptur: Ein Engel zuviel

Jedes Kind weiß: Engel sind etwas ganz Besonderes – ausgesprochen friedfertig, bekannt für ihren Dienst am Menschen, in der Regel gottesfürchtig und vor allem unsichtbar, sieht man einmal davon ab, daß sie sich gelegentlich in Kirchen niederlassen.

Zwei Welten in Berlin

Engagierte Kritiker der Schuldenpolitik durchbrachen die Routine der Tagung von IWF und Weltbank

Gewerkschaftsfrauen: Unterschied

Mit Gratulationen an die Sozialdemokraten sparen sie nicht. Der SPD-Beschluß von Münster, nach dem in Zukunft mindestens vierzig Prozent der Funktionen und Mandate in der SPD mit Frauen besetzt werden sollen, kann sich des Beifalls auch der Gewerkschaften sicher sein.

Bonner Kulisse

Da sind sie wieder, die professionellen Konjunkturpessimisten, über die sich Wirtschaftsminister Martin Bangemann so gerne erregt.

Quellensteuer: Hohe Kunst

Wenn der Finanzminister glaubte, er werde im Parlament auf die ungeteilte Zustimmung des Haushaltsausschusses für seine besondere Art eines Beschäftigtigungsprogramms stoßen, so wurde er bitter enttäuscht.

Frech und erfolgreich

Einer der Besucherstühle im Chefsekretariat von Radio ffn ist exklusiv für Herrn Schwarz reserviert. Unter dem Schreibtisch verteidigt Ike das Terrain.

Schweiz: Mühe mit Europa

Die Stimmung im großen Saal des Berner Hotels National ist spannungsgeladen. Der Beifall für den Redner, den Schweizer Staatssekretär für Außenhandel, Franz Blankart, fällt bescheiden aus.

Ablenkungsmanöver

ZEIT: Herr Döding, die sogenannte Altersteilzeitarbeit soll die Vorruhestandsregelung ablösen, die zum Jahresende ausläuft. Beide Modelle waren im Ursprung einmal Ihre Idee.

MANAGER UND MÄRKTE

Wenn es ihm gelingt, die Puma AG zu sanieren oder zu verkaufen, dann wird sich auch für Manfred Emcke die Beratertätigkeit bei dem Sportartikler lohnen.

AUTOSELLER

Autos mit Dieselmotor sind hierzulande kaum noch zu verkaufen. Nur mehr 11,5 Prozent aller im August neu zugelassenen Pkw und Kombis haben einen Dieselantrieb unter der Haube.

ZEITRAFFER

Die Schulden des Staates sind von Januar bis Juni dieses Jahres schneller gestiegen als die Einnahmen. Grund dafür sind die zunehmenden Sozialausgaben, aber auch außergewöhnlich hohe Bauinvestitionen.

Europa sieht in die Röhre

Gerade hatte sich das ehrwürdige britische Seebad Brighton von den Sommertouristen erholt, da wurde der Kurort schon wieder von zahllosen Fremden bevölkert.

Rudolf Engen: Des Sponsors Künste

Immer wenn sich heutzutage irgendwo in Deutschland ein Theatervorhang oder ein Taktstock hebt, wenn eine Sängerin ihren Mund oder ein Flohzirkus seine Pforten öffnet, fragt der Kenner nicht, was gegeben wird, sondern wer gegeben hat.

Brasilien: Land ist Macht

Kleinbauern kämpfen gegen den erbitterten Widerstand der Großgrundbesitzer für eine Agrarreform

Wirtschaftsbuch: Konjunkturpolitik in Grenzen

Heutzutage ein problemorientiertes Lehrbuch zur Konjunkturpolitik vorzulegen verlangt Stehvermögen. Denn der große Reichtum an alternativen Theorien zu Konjunktur und Krise sowie an Konzepten des konjunkturellen Gegensteuerns haben in Wissenschaft und Politik kaum noch Konjunktur.

Die deutsche Gefahr

WASHINGTON. – Der billige Dollar tut, was man von ihm erhoffte. Die jüngsten Statistiken beweisen, daß das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten weiter schrumpft und das Defizit der Leistungsbilanz vom Höchststand im dritten Quartal 1987 bis zum zweiten Quartal dieses Jahres im Jahresdurchschnitt um 35 Milliarden Dollar gefallen ist.

Amerika dankt nicht ab

CAMBRIDGE, MASS. – Jetzt, da die Reagan-Ära ihrem Ende zugeht, ist es wichtig, sich ein klares Bild über die Position der Vereinigten Staaten in der Welt zu verschaffen.

Gebot des Marktes

TURIN. – Es ist sicherlich kein Zufall, daß die europäische Einigung erst 1986 mit einem Riesenschritt vorangebracht wurde, als die Mitgliedsstaaten der EG beschlossen, bis 1992 einen gemeinsamen Binnenmarkt zu schaffen.

Berlin-Blockade: Die Szene wird zum Tribunal

Die Welt ist um eine Illusion ärmer geworden. Nach der sowjetischen Antwortnote über die Berliner Krise sind nun auch die letzten aller optimistischen Staatsmänner zu der Überzeugung gekommen, daß ihre jahrelangen Bemühungen, mit dem Kreml ins Gespräch zu kommen, zu paktieren oder gar zu bindenden Abmachungen zu gelangen, umsonst gewesen sind.

+ Weitere Artikel anzeigen