Mit Geschick behauptet das Stuttgarter Unternehmen seine führende Position auf dem Weltmarkt

Von Hans Otto Eglau

Eigentlich könnte ich jetzt aufhören", scherzte Marcus Bierich. In der Tat dürfte der Gewinn des Jahres 1987, den der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH jüngst Gesellschaftern und Belegschaft präsentieren konnte, so schnell nicht zu wiederholen sein. Um nicht weniger als 83 Prozent steigerte Deutschlands führender Autoausrüster seinen Jahresüberschuß auf 825 Millionen Mark. Den Gewinnsprung verdankt Bierich einer einmaligen Gelegenheit. Er konnte die 1976 erworbene Bosch-Beteiligung am amerikanischen Mischkonzern Borg Warner in Chicago äußerst günstig abstoßen.

Von diesem – als Folge eines gescheiterten Kooperationsversuchs – früher oder später unvermeidlichen Rückzug abgesehen, stehen die Zeichen in der auf der Stuttgarter Schillerhöhe ganz im Grünen gelegenen Bosch-Zentrale jedoch eindeutig in Richtung Expansion. Investierten die Schwaben 1982 weltweit erst knapp 750 Millionen Mark, so waren es im vergangenen Jahr erstmals mehr als zwei Milliarden Mark. Tendenz: weiter steigend. Rangierte Bosch in der Tabelle der umsatzstärksten deutschen Industrieunternehmen Anfang der achtziger Jahre noch auf Platz zwanzig, so arbeitete sich das Unternehmen inzwischen auf den zehnten Platz vor.

Kräftig in Atem gehalten

Bei ihrer Parforcejagd sind die Bosch-Manager Jäger und Gejagte zugleich. Schon in den vergangenen Jahren hatte die anhaltend gute Autokonjunktur bei einem gleichzeitig immer stärkeren Vordringen spezifischer Bosch-Produkte den Hersteller von Zündsystemen, Kraftstoff-Einspritzanlagen und Antiblockiersystemen kräftig in Atem gehalten. Sein erklärtes Ziel lautete daher, aus Gründen der Risikoverteilung nicht mehr als die Hälfte des Geschäfts mit der Automobilindustrie zu bestreiten (im Augenblick sind es 54 Prozent). Deshalb kaufte sich Bosch ergänzend zu seinen Aktivitäten auf den Gebieten Hausgeräte, Elektrowerkzeuge, Heizungs- und Warmwassergeräte (zusammen 17,5 Prozent) sowie Industrieausrüstungen und .Verpackungsmaschinen (zusammen 6,6 Prozent) gezielt in den Kommunikationssektor ein. Nach der vollständigen Übernahme der vor allem auf Telephon-Nebenstellenanlagen spezialisierten Frankfurter Firma Telenorma und dem Mehrheitserwerb der ANT Nachrichtentechnik (Richtfunksysteme, mobile Funksysteme, Nachrichtensatelliten), beide aus dem einstigen Einflußbereich der AEG, erzielen die Stuttgarter inzwischen 22 Prozent ihres Gesamtumsatzes von gut 25 Milliarden Mark auf dem Kommunikationsmarkt.

Eine Atempause kann sich der seit vier Jahren als Nachfolger Hans Merkles amtierende Bierich in seinen beiden wichtigsten Geschäftsbereichen auch künftig nicht leisten. Die Nachfrage nach Benzin- und Diesel-Einspritzsystemen nimmt weiterhin zu. Seit 1967 hat Bosch weit mehr als zwanzig Millionen Autos mit elektronisch gesteuerten Kraftstoffeinspritzungen ausgerüstet. Allein in diesem Jahr werden 3.2 Millionen Anlagen hinzukommen. Verfügten im vergangenen Jahr erst 54 Prozent aller in der Bundesrepublik hergestellten Benziner über die Verbrauch und Abgasschadstoffe gleichermaßen reduzierende Gemischsteuerung, werden es 1990 bereits 85 Prozent sein. Im gleichen Zeitraum wird der Anteil in Europa von 31 auf 47 Prozent ansteigen. Ähnlich optimistisch schätzt Bosch – das Unternehmen verteidigt in der Einspritztechnik einschließlich der Produktion ausländischer Lizenznehmer weltweit einen Marktanteil von rund 75 Prozent – die Steigerungsraten in den USA und Japan ein.