Die neue Verordnung über Schadstoffhöchstmengen in Lebensmitteln bleibt hinter den Erwartungen zurück

Von Ursula Mense

Über fünfzehn Jahre haben Umweltschützer und Verbraucherverbände danach gerufen. Über fünfzehn Jahre lang wurde zwischen Bundesministerien und Interessenverbänden darum zäh und erbittert gerungen. Am 1. Oktober nun soll sie endlich in Kraft treten: eine Schadstoffhöchstmengenverordnung für Lebensmittel.

Das neue Regelwerk schreibt vor, bis zu welcher Höchstmenge Schadstoffe aus der Umwelt in tierischen Lebensmitteln erlaubt sind. Nun endlich können die Überwachungsbehörden gegen belastete Lebensmittel vorgehen. Bisher gab es nur für einige Schadstoffe Richtwerte, aber die sind unverbindlich und erzwingen kein Eingreifen der Behörden.

Doch der ambitionierte Name verspricht mehr, als die neue Verordnung tatsächlich regelt. Denn es sind nur wenige Schadstoffe, für die der Bundesumweltminister Grenzwerte festgesetzt hat: für sechs Verbindungen der polychlorierten Biphenyle (PCB) und für Quecksilber in Fischen. Nach Grenzwerten für Schadstoffe wie Cadmium, Blei, Nitrat, deren problematische Konzentrationen zum Beispiel in Pilzen und in Innereien, im Blattgemüse und im Trinkwasser seit Jahren bekannt sind, sucht man in der neuen Verordnung vergebens. Dabei hatte der Sachverständigenrat für Umweltfragen erst kürzlich gemahnt, daß diese Schadstoffkonzentrationen in Lebensmitteln und im Trinkwasser inzwischen "die Grenzen der zumutbaren Belastung erreicht oder überschritten" haben.

Das zuständige Umweltministerium begründet die Beschränkung auf die besonders gefährliche Gruppe der PCB damit, daß bei ihnen der Handlungsbedarf am wenigstens bestritten werden könne. Denn diese vielseitig verwendbaren Stoffe sind in hohem Maße in den Naturkreislauf eingedrungen.

Als polychlorierte Biphenyle bezeichnet man eine aus vielen Einzelstoffen bestehende Gruppe von Organochlorverbindungen. Sie waren für fast alles zu gebrauchen: als Transformatorenöl, Hydraulikflüssigkeit, Imprägniermittel in der Elektroindustrie, als Weichmacher in Kunststoffen oder Zusatz zu Kitten, Klebstoffen, Nagellack und Textilien. Da sie außerdem billig sind und aus chemischer und technischer Sicht viele positive Eigenschaften besitzen, hat man sie hemmungslos produziert. Bis 1972 wurden sie in offenen Systemen produziert, dann nur noch in geschlossenen. Und seit 1985 dürfen sie überhaupt nicht mehr hergestellt werden. Ihre Langlebigkeit aber garantiert, daß sie uns als Umweltschadstoff noch lange erhalten bleiben.