Über Futtermittel etwa, das durch PCB-haltige Anstriche im Stall oder in den Silos verseucht wurde, aber auch über Klärschlämme oder fließende Gewässer gelangen die Stoffe in die Nahrungskette und reichern sich in tierischem Fett an. Vor allem Binnenwasserfische sind stark mit PCB belastet. Auch in Fleisch, Milch und Eiern haben Lebensmittelchemiker die Stoffe gefunden. Seit Anfang der siebziger Jahre weist man sie auch im menschlichen Fettgewebe nach. In der Muttermilch sind PCB-Werte gemessen worden, die die meisten Wissenschaftler für alarmierend halten. Und entgegen den Erwartungen vieler Wissenschaftler hat die Belastung der Muttermilch mit PCB in den vergangenen Jahren nicht abgenommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft empfiehlt aus diesem Grund seit einiger Zeit nach "einer gültigen Nutzen-Risiko-Abwägung" zwischen den Vorteilen des Stillens und der PCB-Belastung der Muttermilch, das Stillen auf vier Monate zu beschränken. Im menschlichen Organismus können polychlorierte Biphenyle Leberschäden hervorrufen und das Blut- und Immunsystem schädigen. Einige der Verbindungen stehen in dem Verdacht, Krebs hervorzurufen.

Ursprünglich sollte die Schadstoffhöchstmengenverordnung freilich mehr als nur PCB-Grenzwerte festlegen. Zu Beginn der siebziger Jahre sollte eine "Umweltkontaminantenverordnung" auch Höchstmengen für Blei, Quecksilber, Cadmium und Arsen enthalten, um gesundheitsschädigende Konzentrationen dieser Schadstoffe in Lebensmitteln weitgehend zu verhindern. Um jedoch solche Werte festzusetzen, fehlte die notwendige Datengrundlage. Da man zuwenig über die Belastung der Lebensmittel mit diesen Schadstoffen wußte, sollte eine Sammelstelle die Daten der chemischen Landesuntersuchungsämter systematisch erfassen und speichern. Es entstand die Zentrale Erfassungsstelle und Bewertungsstelle für Umweltchemikalien des Bundesgesundheitsamtes in Berlin.

Doch der Informationsfluß funktionierte nicht. Die Daten kamen nur schleppend und waren unvollständig. Es gab nur wenig qualifizierte Probennehmer in den Bundesländern, einheitliche Probennahmepläne fehlten völlig. Das Modell scheiterte. Noch heute kann das Bundesgesundheitsamt nicht mit repräsentativen Daten über die Schadstoffbelastung unserer Lebensmittel dienen.

Gigantischer Meßaufwand

Eine "traurige Vorgeschichte", resümiert Walter Töpner aus dem Gesundheitsministerium. Sie führte dazu, daß das Modell einer umfassenden Regelung für Umweltschadstoffe in Lebensmitteln zu den Akten gelegt wurde. Denn schießlich, so Töpner, muß sich ein Ressortminister gut absichern, wenn er eine Verordnung durchsetzen will, an der auch noch andere Ministerien beteiligt sind, die, wie in diesem Fall das Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium, die Interessen der potentiell Betroffenen vertreten.

Als das Umweltministerium 1986 die Federführung für die Schadstoffhöchstmengenverordnung erhielt, war das Vorhaben in den langjährigen Verhandlungen bereits auf den jetzigen Umfang zurechtgestutzt. Und dem neugebildeten Umweltministerium gelang es nicht, nun noch weitere Schadstoffe aufzunehmen. Der Widerstand der Lebensmittelwirtschaft war ohnehin groß genug. Sie bekämpfte auch die Rumpfverordnung noch erbittert.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, die Dachorganisation der Lebensmittelwirtschaft, kritisiert vor allen Dingen die Buß- und Haftstrafen. Damit müsse die Branche für etwas herhalten, was sie nicht verursacht habe. Außerdem könne sie die Forderungen nicht ohne einen gigantischen Meßaufwand erfüllen, der aber sei praktisch nicht möglich. Der Bauernverband befürchtet sogar, daß einige Bauern auf ihren Produkten sitzenbleiben. Die Angst davor, daß viele Lebensmittel die Grenzwerte überschreiten könnten, ist offenbar groß.