Wenn es ihm gelingt, die Puma AG zu sanieren oder zu verkaufen, dann wird sich auch für Manfred Emcke die Beratertätigkeit bei dem Sportartikler lohnen. Der Vertrag des Hamburger Unternehmensberaters und Puma-Aufsichtsratsvorsitzendem mit dem Großaktionär Armin Dassler sieht neben einem festen Honorar von 1,2 Millionen Mark eine Sondervergütung von einer Million Mark für den Fall vor, daß das verlustmachende Unternehmen in die Lage kommt, ein Darlehen von etwa sechzig Millionen Mark an den Hauptgesellschafter Dassler zurückzuzahlen. Auch von dem geplanten Verkauf des Markenartiklers an einen finanzstarken Partner würde Emcke profitieren: mit 2,5 Prozent des Verkaufserlöses – nicht schlecht, wenn man bedenkt, daß sich Dassler und Emcke rund einhundert Millionen Mark als Verkaufspreis vorstellen.

Mit dem, was am 12. Oktober im Bundeskabinett beschlossen werden soll, kann Edzard Reuter, der Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, zufrieden sein. Um den Autobauer zur Übernahme des Flugzeug- und Waffenkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) zu bewegen, übernimmt die Bundesregierung bis zum Jahr 2000 die Währungsrisiken für den Airbus bis zum Dollarkurs von 1,60 Mark. Damit hat sie sich ganz auf die Bedingungen von Daimler eingelassen.

Streit gibt es freilich noch um den Preis, den Daimler für die vorgesehene dreißigprozentige Beteiligung an MBB bezahlen soll. Bisher war von 400 Millionen Mark die Rede. Der mächtige Mann im MBB-Gesellschafterkreis, Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß (CSU), will diese Summe aber nach oben schrauben. Daher kann der geplante Einstieg zum Jahresende kaum noch wirksam werden. Insider rechnen jetzt mit dem 1. Juli 1989.

Mit einem weiteren Wunsch wird sich Strauß indes nicht durchsetzen. Gern würde er seinen Parteifreund Karl Dersch, der die Münchner Niederlassung von Daimler leitet, in die Geschäftsführung von MBB bugsieren, um weiter Einfluß auf sein Lieblingsunternehmen nehmen zu können. Derschs Konzern-Chef Edzard Reuter lehnt dieses Vorhaben aber kategorisch ab.

Der blaue Brief kam aus Hamburg. August Angerer, der Chef des Berliner Aufsichtsamtes für das Versicherungswesen, muß sich mit einem Schreiben des Bundes der Versicherten herumschlagen. Darin legt Geschäftsführer Hans Dieter Meyer im Namen von zwei Versicherten des Deutschen Herold Einspruch gegen eine Verfügung der Behörde ein.

Das Amt hatte nämlich Mitte Juni die Umbildung des Bonner Assekuranzkonzerns genehmigt, was nach Meinung von Meyer „für die Lebensversicherten des Deutschen Herold mit einem Verlust von schätzungsweise 350 Millionen Mark verbunden ist“. Der Verlust entstehe, weil bei einer Übertragung sämtlicher Lebensversicherungen auf eine neue Deutsche Herold Versicherungs AG nicht auch sämtliche Vermögenswerte umgebucht worden seien, „wodurch die Überschußbeteiligung der Versicherten geschmälert wird zugunsten der Aktionäre des Unternehmens“, begründet Meyer seinen Einspruch.

Obendrein hat der streitbare Hamburger Strafanzeige gegen Angerer und den gesamten Vorstand des Deutschen Herold erstattet – „unter anderem wegen Untreue“. Meyer wehrt sich in einem seit 1986 beim Bundesverwaltungsgericht anhängigen Musterprozeß gegen eine ähnliche Konzerntrennung der Allianz Versicherungs AG, bei der, so glaubt Meyer, „schätzungsweise zwei Milliarden Mark den Versicherten entzogen wurden“.