Edel. Sie sehen einfach edel aus. Sattes Weiß, Hardcover, cooles Layout. Die Collection „bietet den Stoff, aus dem die Träume sind“ – und sie ist wie geschaffen fürs postmoderne Bücherregal. Die Bildbände der neuen Serie aus der großen weiten Welt

Collection Merian, herausgegeben von Max Scheler; Hoffmann und Campe, Hamburg 1988; 56 Seiten; 24 Mark

kann der Mehrscheiner getrost auf dem Tisch liegen lassen, wenn Besuch kommt, sie putzen ungemein. Für wen sie kreiert sind, die schlanken Weißen mit den bunten Bildern – „für Liebhaber exzellenter Photografie, für passionierte Reisende, für Menschen, die die Schönheiten der Welt zu Hause genießen wollen“. Die bekommen dann in der Tat auch 40 bis 45 Photos berühmter Lichtbildner wie Thomas Höpker, Bruno Barbey, Michael Friedel oder Guido Mangold: typische Aufnahmen, manchmal auch witzige und eigenwillige, gelegentlich langweilige, Erwartetes und Unerwartetes, subjektiv in Auswahl und Sehweise natürlich allemal. Rom ohne Petersplatz, Venedig dafür wie gehabt mit Masken und Markusplatz, Budapest schon auch mal ein bißchen kritisch mit bröckelnden Fassaden, Portugal eine Spur zu schön. Die einleitenden kleinen Essays sind gut, für Bildbände fast zu schade, sie pointieren das Wesentliche der Region.

Übertrieben originell ist die Idee der neuen Merian-Serie nicht. Sie mehren sich in den letzten Jahren, diese formschönen Bildbände auf mittlerem bis niedrigem Preisniveau und mit Fortsetzungscharakter. Faule Ähnlichkeit hat die neue „Collection Merian“ mit den mehr textbetonten Bänden der „Weißen Reihe“ aus dem Ellert & Richter Verlag und mit den ebenfalls feinen, weißen, jedoch teureren Bilderbüchern, die der Herder Verlag unter dem Titel „Wie wir es lieben“ ediert. Der Verlag C. J. Bucher gibt seit eineinhalb Jahren seine Sammlung „Bucher’s“ heraus, allerdings mit mehr Text und nicht ganz so vornehm.

Die Konkurrenz war jedoch auch ein Grund für Merian, in das Geschäft mit den Bildbänden einzusteigen, zumal die Photos zum großen Teil bereits vorlagen – 80 Prozent der Bücher greifen zurück auf Aufnahmen, die für die Merian-Hefte der letzten zwei Jahre gemacht worden sind.

Ein weiteres Motiv für die Auflage der neuen Serie, so Herausgeber Max Scheler: Leser der Merian-Hefte genierten sich, die mit Anzeigen bestückten Broschüren als Präsent zu überreichen. Ihnen ist nun geholfen. Denn die Serie ist auch für jene gedacht, „die ein äußerst preisgünstiges, ästhetisch besonders ansprechendes Geschenk suchen“.

Die ersten zwölf sind in den Buchläden: Venedig, Malediven, Provence, Fjordland, Rom, Portugal, Türkei, Mallorca, Budapest, Sizilien, Kykladen, Rio de Janeiro. Sechs weitere Bände jedes halbe Jahr sind vorgesehen. put