Einen Tag vor Festivalbeginn schien noch die Sonne. Die einen gingen zum Strand – badeten, neckten oder sonnten sich. Die anderen flanierten durch die Altstadt oder tummelten sich in den zahllosen Bars und Tavernen. Die Frauen lockten. Die Männer schauten hin – und wogen ihre Chancen.

Dann kamen die dunklen Wolken – und der große Regen. Wovor es nur einen überzeugenden Schutz gab: das Kino.

Der Beginn des Festivals diente der Rückschau: In einer Nebensektion wurden Filme eines visionären Handwerkers aus Hollywood geboten – Jacques Tourneur. Dem gelang es immer wieder, banale Geschichten in poetische Kostbarkeiten zu verzaubern. Aus der Flucht vorm Regen wurde plötzlich eine Entdeckungsreise.

Irgendwann, hörte ich, soll dann die Sonne wieder Wolken und Regen verdrängt haben. Aber da war die Entscheidung für mich längst gefallen. Selbstverständlich verpaßte ich dadurch das Alleraufregendste, Allerneueste, Allerwichtigste.

San Sebastian 1988: Das war also das Abenteuer, einen der präzisen Erzähler, einen der großen Mittelmäßigen des Hollywood-Kinos kennenzulernen. Beinahe das gesamte amerikanische Œuvre von Tourneur war (zum ersten Mal in Europa) zu sehen: 27 seiner insgesamt 33 Filme. Tourneur gilt vielen als Visionär der reinen Form. Er arbeitete stets nach der Devise: Je weniger ein Filmemacher erklärt, desto mehr läßt er seine Zuschauer fühlen und verstehen.

Über seinen Vater, den Regisseur Maurice Tourneur, kam er früh zum Kino: Anfang der 20er Jahre, da war er gerade 16, jobbte er bereits in den MGM-Studios als Laufbursche. Als sein Vater dann nach Frankreich zurückkehrte, ging er mit und versuchte, von ihm zu lernen, zunächst als sein Regieassistent, dann als sein Cutter.

Zwischen 1931 und 1964 entstanden dann seine eigenen Filme, in Frankreich, Hollywood und Italien. Wobei er fast alle Genres bediente: Er drehte fantasy thriller und Western, Melodramen und Krimis, einen Kriegs- und einen Nachkriegsfilm, Komödien und Films Noirs, Piraten-, Wüsten-, Dschungel- und Mantel- und Degenabenteuer.