Wer Indien in einem tieferen Sinn begreift und das Unbehagen spürt, wenn Besucher das Land nur als touristische Kulisse Revue passieren lassen, kann sich jetzt an einem hervorragenden Bildband erfreuen.

Das Buch erscheint anläßlich des 80. Geburtstags von Cartier-Bresson, der zu den größten Photographen dieses Jahrhunderts zählt. Während mehrerer ausgedehnter Reisen auf dem indischen Subkontinent beschäftigte sich Cartier-Bresson intensiv mit der Kultur und Philosophie des Landes;

diese geistige Auseinandersetzung ist den Photos anzumerken. Sie umfassen die Zeit von 1947, als Indien unabhängig wurde, bis zum Jahr 1986. Cartier-Bresson war vor Ort, als Gandhi ermordet wurde; er hielt die Leichenverbrennung und die Trauerfeierlichkeiten im Bild fest und porträtierte später auch Pandit Nehru und Indira Gandhi. Die meisten Bilder halten jedoch Alltagsszenen fest und dokumentieren die Widersprüche dieses bevölkerungsreichen und in seiner Vielfalt kaum faßbaren Landes. Der Photoauswahl adäquat ist das Vorwort von Yves Véquaud, der mit sprachlicher Klarheit die Schwierigkeiten meistert, den Hinduismus zu erläutern, dessen Philosophie das gesamte Dasein der Inder durchdringt. Ro

  • „In Indien“; mit Schwarzweißphotos von Henri Cartier-Bresson, Vorwort von Ives Véquaud; Unionsverlag, Zürich 1988; 68 Mark.