Mit Gratulationen an die Sozialdemokraten sparen sie nicht. Der SPD-Beschluß von Münster, nach dem in Zukunft mindestens vierzig Prozent der Funktionen und Mandate in der SPD mit Frauen besetzt werden sollen, kann sich des Beifalls auch der Gewerkschaften sicher sein. Nur für ihren Bereich, das wurde bei der Frauenkonferenz der IG Metall deutlich, kommt eine solche Regelung natürlich nicht in Frage. Bei der größten Einzelgewerkschaft der Welt, machte IG Metall-Chef Franz Steinkühler den Kolleginnen klar, lägen die Dinge nun einmal komplizierter.

Nicht einmal der bescheidene Wunsch der Metallerinnen, entsprechend ihrem Mitgliederanteil (rund 21 Prozent) unter den ehrenamtlichen Funktionären – Betriebsräten, Vertrauensleuten und Tarifkommissionen – repräsentiert zu sein, ist unumstritten. Eine solche innergewerkschaftliche Quotierung sei problematisch, erklärte der Mann an der Spitze, denn schließlich läge der Beschäftigtenanteil der Frauen in vielen Bereichen noch weit unter zehn Prozent.

Das läßt sich nicht bestreiten. Doch immerhin haben jahrzehntelang Männer wie selbstverständlich auch die Interessen der beschäftigten Frauen in der Metallindustrie vertreten dürfen, ohne daß dieses Argument – umgekehrt – ins Feld geführt wurde. Da wäre es doch wohl endlich an der Zeit umzudenken. Auch die IG Metall wird sich den Anliegen ihrer weiblichen Mitglieder stärker öffnen müssen. Schließlich will sie den Angestelltenbereich künftig stärker als bisher erobern, und in dem gibt es selbst in der Metallindustrie immer mehr weibliche Beschäftigte. Die Frauenkonferenz der IG Metall hat auf dem Weg zu diesem Ziel keinen Schritt voran getan. In der Gewerkschaft gehen die Uhren eben noch immer anders. ms