Als einen Ort, „wo Mythos und Realität schon lange Partner sind“, kennzeichnet der amerikanische Photograph und Autor William Albert Allard den Westen der USA. Dieser Mythos manifestierte sich von jeher in der Gestalt der Cowboys. Zehn Jahre lang reiste Allard mit diesen Männern zwischen Mexiko und Kanada. Es gibt sie nämlich noch immer, diese hartgesottenen Rauhbeine, denen nicht viel bleibt von ihrem kargen Einkommen und die dennoch ihren Beruf gegen keinen anderen tauschen möchten. Die besten Aufnahmen präsentiert jetzt ein ungewöhnlich guter Bildband:

  • „Cowboys – die letzten ihrer Art“; mit Farbphotos und Texten von William Albert Allard; Edition Stemmle, Zürich 1988; 84 Mark.

Dem Band kommt zugute, daß sich Photos und Texte auf gleich hohem Niveau ergänzen und bestätigen. Im Vorwort berichtet Allard, daß es gegenwärtig 2000 offene Stellen für erfahrene Cowboys gibt; ihre Zahl nimmt beständig ab. Denn es ist ein entbehrungsreiches Leben, das sie führen.

Ein besonderer Reiz der knappen Erläuterungen zwischen den Bildern liegt darin, daß Allard die Cowboys selbst zu Wort kommen läßt. Sie reflektieren ihr Dasein so treffend, mit soviel Sarkasmus und Humor, daß, während das Verständnis für diese Kerle wächst, der Leser eins übers andere Mal Grund zum Lachen hat. Lebensgeschichten und Anekdoten sind klug ausgewählt; sie fügen sich zu einem realistischen Bild, das den Mythos bewahrt, ohne je trügerische Romantik zu befördern. An den Photos kann man sich kaum sattsehen. Sie zeigen die Weite und Schönheit der Prärien, zeigen die Männer, wie sie mit dem Lasso Pferde und Rinder fangen und den Kälbern Brandzeichen aufdrücken. Besonders im Gedächtnis bleiben die Darstellungen aus den Bars und Red-light- Bezirken: Cowboyvergnügen mit Billard, Bier und Frauen, schlichte Freuden, durch die oft eine anrührende Einsamkeit schimmert. Die Aufnahmen von Rodeos verzichten auf jede Heroisierung, und auch die Porträts alter und junger Viehtreiber sind weit davon entfernt, falsche Helden zu stilisieren. In der Vielzahl gedankenlos zusammengeschusterter Bildbände, die immer wieder auf den Markt geworfen werden, ist dieses Buch ein Glücksfall. No