Blockfrei und stolz – bei Jugoslawiens Nachbarn gehen die Uhren langsamer,

Von Uta van Steen

Und nun, meine Damen und Herren: Albanien! Der jugoslawische Zollbeamte absolviert seine Skipetaren-Nummer. Mit der einen Hand weist er auf einen staubigen Weg, der hundert Meter weiter an einem mit Stacheldraht umwickelten Gittertor endet. Mit der anderen Hand kratzt er sich, Verwunderung mimend, den Kopf und setzt gleichzeitig ein mitleidiges Lächeln auf.

Nur allzu deutlich ist die Botschaft: Ein wenig bizarr müssen diese seltenen Touristentrüppchen schon sein, die da brav mit ihren Koffern in der Hand vom letzten Hort der zivilisierten Welt (Jugoslawien) freiwillig in die Diaspora stiefeln (Albanien). Mitten hinein ins linientreue kleine Nachbarland, in dem es weder Coca-Cola, Schokolade, Steuern noch Privatautos gibt, aber dafür den strammsten Marxismus-Leninismus des Balkans.

Natürlich verübelt Jugoslawien der Volksrepublik Albanien noch einiges mehr als den bedauernswerten Mangel an Coca-Cola. Zum Beispiel die nationalistischen Unruhen in seinem südlichen Landesteil, dem Kosovo, wo seit der Balkanaufteilung von 1912/13 zwei Millionen Exilalbaner leben. Die drei Millionen „echten“ Albaner wiederum befürchten, daß der sozialistische große Bruder einen höchst imperialistischen Appetit auf ihr gebirgiges kleines Land, nur knapp so groß wie Baden-Württemberg, entwickeln könnte.

Ende aller Partnerschaft

So liegen die nachbarschaftlichen Beziehungen auf Eis: Albanien verwehrt den Jugoslawen die Einreise ebenso wie Priestern und Journalisten, seit den 60er Jahren den Russen und seit 1978 den Chinesen. Enver Hodscha, bis zu seinem Tod vor drei Jahren der Welt dienstältester Chef einer kommunistischen Partei und stolzer „Vater des modernen Albaniens“, war wild entschlossen, unabhängig vom Ostblock – und ohne in Richtung Westen auszuscheren – seinen eigenen Weg des Kommunismus und damit zwangsläufig den der Selbstisolierung zu gehen.