Wir sind in der Lage, uns durch eigene Mienen selbst zu beeinflussen, zum Exempel so lange traurig zu schauen, bis unser Herz tatsächlich von Trübsal überquillt. Der Bundeskanzler lebt uns dies auf andere Weise vor: Zunächst lächelt er mal grundlos und wird davon so froh, daß er lacht, was ihn dann wiederum so erfreut, daß er förmlich strahlt usw. Stimmungsmäßig ist Helmut Kohl ein Selbstlader.

Die „Süddeutsche Zeitung“ in ihrem Streiflicht vom 24. September 1988

Ab nach Lippe!

Der Verbandsvorsteher des Landesverbandes Lippe schreibt uns einen Brief, in dem es heißt: „Als Bewahrer und Verwalter des ehemaligen lippischen Landesvermögens ist der Landesverband Lippe seit dem Anschluß Lippes an das Land Nordrhein-Westfalen als öffentlich-rechtliche Körperschaft gebildet worden. In seinen weit gefächerten Aufgabenbereich fällt die Trägerschaft über traditionsreiche Kulturinstitute, bedeutende Kultur- und Naturdenkmäler, stark frequentierte Freizeit- und Erholungsanlagen sowie die bekannten Staatsbäder Salzuflen und Meinberg.“ Wir bedanken uns für diese Information und die damit verbundene Einladung, all diese Schätze in Augenschein zu nehmen, nebst „Unterbringung“ mit „Gattin/Partnerin“ im Burghotel Blomberg, fragen uns jedoch, vielmehr den Herrn Verbandsvorsteher, wohin der Landesverband Lippe, recht besehen, fällt, in seinen Aufgabenbereich oder über seine Kulturinstitute (her?). Weiterhin haben wir den Eindruck, daß dieser Landesverband, der offenbar (wenn wir noch alle Sinne beisammen haben) Bewahrer und Verwalter und Körperschaft und Aufgabenbereich und Trägerschaft in einem ist, vielleicht doch zu stark frequentiert oder einfach zu. weit gefächert ist, als daß wir leichtfertig, nur weil man uns „die Bedeutung und Attraktivität dieser Einrichtungen noch stärker ins Bewußtsein bringen will“ (die haben wir, bei Gott!, seit dem Anschluß Lippes, ganz, ganz stark sowieso im Bewußtsein), die wertvolle Zeit des Verbandsvorstehers des Landesverbandes Lippe aus 4920 Lemgo in Anspruch nehmen sollten. Wir fühlen uns Manns genug, auch ohne diese überaus freundliche Einladung die genannten Freizeit- und Erholungsanlagen selber stark zu frequentieren. Ab nach Lippe!

Ich, Horowitz

Nein, er hat nicht verwegen – wie weiland die berühmte Gattin eines zumindest in dieser Funktion eher durch Skurrilitäten berühmten Bundespräsidenten – mit der Rasierklinge in seinem Paß geschabt, sondern, wie es einem „Gott“ geziemt, seinen Ratschluß zur Realität erhoben.

Er hat nicht, wie etwa die ebenso gute Schauspielerin Peggy Parnass, die dem (deutschen) „Who’s who“ anvertraute, daß sie an einem 11. Oktober in Hamburg geboren sei, lediglich das Gratulationsdatum fixiert. Er hat auch nicht die Taktik unseres Nachbarn angewandt, der auf die Frage nach seinem Alter nur mit „Zweiundvierzig“ antwortet, aber das Geburtsjahr meint. Er hat nicht einmal, wie es einem Künstler zuzumuten wäre (und anstünde), die nun doch schon über 80 liegende Zahl seiner vollendeten Lebensjahre kühn herunterredigiert, etwa wie weiland der Kollege Artur Rubinstein, der irgendwann diesen naturgemäß haussierenden Index gewissermaßen einfror und seitdem immer 85 blieb, bevor er denn doch am 20. 12. 1982 das Zeitliche segnete, inzwischen 95 Jahre alt.