Die Christdemokraten haben sich nicht enthalten können. Statt demütig die graue Pflicht zu erfüllen, die Rentenversicherung durch ein bitteres Sparprogramm zu sanieren, wollen sie der Reform der Alterssicherung nun doch zu Glanz verhelfen und ihr eine deutliche frauen- und familienfreundliche Prägung geben – allen Kosten zum Trotz.

Die Gutschrift von Pflegediensten für die Rente und die Ausdehnung der Erziehungszeiten auf drei Jahre werden nach der Jahrtausendwende stattliche Summen kosten. Die zusätzlichen Lasten treffen die Alterssicherung ausgerechnet dann, wenn ihr dank steigender Rentnerzahlen ohnehin der finanzielle Kollaps droht.

Die Kritiker des diese Woche vom CDU-Bundesausschuß abgesegneten Reformkonzepts, die das hundert Jahre alte, an Erwerbsarbeit und Beiträge gekoppelte Rentensystem lieber durch eine staatliche, steuerfinanzierte Grundsicherung ersetzt sähen (siehe Seite 32 „Vermögen statt Rente“), werden deshalb auch keine Ruhe geben. Gleichwohl kann Arbeitsminister Norbert Blüm sich zugute halten, ein solides Programm für die Alterssicherung der Zukunft vorgelegt zu haben.

Das gilt nicht nur für die Verteilung der künftigen Rentenlasten, die dank der neuen Nettoanpassung der Ruhegelder und der Sicherung des Bundeszuschusses fair erscheint. Umsichtig ist auch das Prinzip, nach dem Erziehungs- und Pflegearbeit eigene Rentenansprüche begründen.

Man ist, um das zu rechtfertigen, nicht einmal auf die kurzschließende Argumentation des CDU-Generalsekretärs Heiner Geißler angewiesen: Danach wäre Erziehungsarbeit allein deswegen wertvoll, weil sie für nachwachsende Generationen sorgt, mithin dem Rentensystem die Beitragszahler der Zukunft sichert.

Renten für Erziehungsarbeit – eine moderne Alterssicherung, die Rentenansprüche weiter an Arbeitsleistung binden will, muß sich einfach von den patriarchalischen Prinzipien der Bismarckschen Sozialgesetzgebung lösen. Sie kann Arbeit nicht länger allein als Erwerbsarbeit definieren.

Was Norbert Blüm mit der konsequenten Einführung von eigenen Rentenansprüchen für Hausfrauen (und -männer) ins Werk setzt, ist nicht weniger als ein Stück Umbau des Sozialstaates. Noch freilich nährt er damit nur den alten Vorwurf, Sozialpolitik sei allein zu ständig steigenden Kosten möglich. Je generöser sich Bonns Regierung gegenüber Frauen