Von Gunhild Lütge

Kaum zu glauben, aber wahr: Die zündende Idee kam Falk-Dietrich Kübler, nachdem er einen Fachartikel gelesen hatte. Kollegen in England war es gelungen, einen sogenannten Transputer zu entwickeln, einen Artverwandten des Mikroprozessors, der das Herzstück eines jeden Computers ist. Der heutige Chef der parsytec GmbH zögerte nicht lange, wußte er doch, daß das der Anfang einer völlig neuen Computerära war. Diese Chance wollte er nutzen.

Er besprach sich mit zwei ehemaligen Studienkollegen der Technischen Hochschule Aachen, und kurz darauf kündigten alle drei ihre Jobs, kratzten Erspartes zusammen, bekamen dann später noch 800 000 Mark vom Forschungsminister sowie 250 000 Mark von Banken dazu und gründeten ein Unternehmen. Das war 1985.

Etwa zum gleichen Zeitpunkt hatte auch Ulrich Trottenberg den Plan, einen ganz neuen Computertyp zu bauen. Ihm standen dabei kapitalkräftige Geldgeber zur Seite. Sein Arbeitgeber, die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD), sowie die Krupp Atlas Elektronik und das Hamburger Softwarehaus Stollmann gründeten die Suprenum GmbH. Das war Anfang 1986. Bonn und das Land Nordrhein-Westfalen gaben stattliche hundert Millionen Mark dazu. Wohl auch deshalb gilt das Vorhaben als Prestigeobjekt der Deutschen in Sachen Supercomputer.

Beide Entwicklungsgruppen haben dasselbe ehrgeizige Ziel: Sie wollen eine von der heutigen Computerwelt völlig losgelöste neue Konzeption realisieren, die absehbaren Grenzen herkömmlicher Technik durchbrechen und ins Geschäft der Computerriesen einsteigen. Doch während Suprenum frühestens zum Ende nächsten Jahres Konkretes vorzeigen kann, hat die nur mit spärlichen Mitteln gestartete parsytec im vergangenen Jahr schon die ersten Maschinen ausgeliefert.

"Das haben wir selbst nicht erwartet", staunt der 39jährige Kübler. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet er mit zehn Millionen Mark Umsatz. Damit ist das junge Aachener Unternehmen in ein Geschäft eingestiegen, das bisher nur einigen wenigen vorbehalten war. Dazu zählt in erster Linie die amerikanische Firma Cray Research. Der Name Cray steht als Synonym für Supercomputer schlechthin. Die Zahlenfresser können in wenigen Minuten jene Aufgaben lösen, für die normale Großrechner Stunden oder Tage brauchen. Mit der ebenfalls amerikanischen Control Data Corporation und den drei Japanern Fujitsu, Hitachi und NEC ist die Liste der maßgeblichen Lieferanten auch schon geschlossen.

Bisher schien der exklusive Markt anderen Computerbauern mit Rang und Namen noch zu klein, um mit diesem Geschäft außer viel Ehre auch noch Geld verdienen zu können. Denn lange Zeit standen die Jumbos – derzeit sind weltweit etwa dreihundert Stück installiert – vorzugsweise nur in Forschungszentren und Universitäten. Doch seit Mitte der achtziger Jahre haben sie das wissenschaftliche Getto verlassen. Immer mehr Industrieunternehmen entdeckten den Vorzug der superschnellen Computer.