Von Eberhard Reuß

Heidelberg

Nein, das ist kein Fanal“, winkt Hanna Rogalli ab, „das war zuletzt nur noch das traurige Absinken einer Idee.“ Die Idee, das war die Communale, die älteste links-alternative Zeitung der Bundesrepublik. Hanna Rogalli hat wie viele andere der 20 festangestellten Mitarbeiter das Kapitel Communale abgeschlossen, auch wenn es da und dort heißt: „Das war ’ne reine Kurzschlußredaktion vom Hilmar.“ Der Hilmar, das ist der Mannheimer Rechtsanwalt Hilmar Hoppe, der zusammen mit seiner Ehefrau und Schokoladenkonzern-Erbin Marli Hoppe-Ritter die Communale in den letzten zweieinhalb Jahren finanzierte. Über 600 000 Mark haben die Hoppes in die alternative Wochenzeitung gesteckt, zuletzt jeden Monat runde 25 000 Mark. Jetzt ist Schluß damit.

„Als wir im April 1986 die Finanzierung der Communale sicherstellten“, erklärt Hilmar Hoppe, „da war allen klar, daß sich die Zeitung in zwei Jahren selbst tragen sollte.“ Bei 5 000 verkauften Exemplaren wäre die Rechnung aufgegangen. Doch selbst in ihrer besten Zeit hat die Communale nur um die 3000 Käufer gefunden.

Nun sollte man mit Blick auf die kommunalpolitischen Verhältnisse in Heidelberg meinen, daß eine links-alternative Zeitung durchaus eine ausreichende Zahl von Lesern hätte gewinnen können: ein übermächtiger Oberbürgermeister in Gestalt von Reinhold Zundel, eine konservative Monopolzeitung in Form der Rhein-Neckar-Zeitung, eine starke Opposition von SPD und Grün-Alternativer-Liste, eine Universität mit über 25 000 Studenten samt einer Tradition akademischen Protests, die 1968 begründet wurde und bis weit in die siebziger Jahre lebendig war – all das hätte der Communale Erfolg bescheren können.

Doch das Alternativ-Blatt, das aus dem 1975 gegründeten Vorläufer Heidelberger-Rundschau entstanden war, kam nie auf einen grünen Zweig. Denn zuvörderst litt die Communale am Dilemma aller alternativen Zeitungsprojekte: Mit einem Gehalt von maximal 1 300 Mark ließ sich auf Dauer kein guter Journalist halten. Die Fluktuation ging zudem auf Kosten der Qualität. Geldgeber Hilmar Hoppe bemängelte „fehlenden Professionalismus, der mit oberlehrerhaftem bis schnöseligem Tonfall die Leserschaft“ vergrault habe.

Zeitgeist wehte durch das Blatt: „Wir wollten schon die Avantgarde sein, die Themen und Trends in Heidelberg setzen“, bekennt Redakteur Thomas Schmitz-Günther. Für die Redaktion war das ein Versuch, neue Leserschichten zu gewinnen. „Von den ursprünglichen Unterstützergruppen rührte sich doch immer weniger“, bekräftigt Kulturredakteur Jürgen Berger, „die 68er Alt-Linken sind freitags gar nicht mehr zu unserer offenen Zeitungskritik gekommen.“