Von Sheldon Himelfarb

WASHINGTON. – In der Verlagswelt machen immer neue Unternehmensaufkäufe von sich reden. Random House kauft Crown Publishing. Die Buchproduktion gerät immer stärker in die Hände einiger weniger Großkonzerne. Bald wird eine Handvoll von Verlagen fast die Hälfte des Marktes beherrschen, der einst von Dutzenden unabhängiger Familienunternehmen geprägt war.

Was heißt dies für die Zukunft des Buchwesens? Die Antwort ist einfach, so wie bei den Hamburger-Läden: Das Zeitalter von Mc-Buch bricht an.

Seit über einem Jahr kaufen die Verlagsriesen kleinere Unternehmen zu Preisen ein, die bis zu fünfzigmal über deren Jahreserträgen liegen. Da bedarf es eines ungeheuren Anstiegs der Verkaufsziffern, um das Geld für diese Megadollar-Fusionen wieder hereinzubekommen. Und damit kommt Mc-Buch ins Spiel.

Bücher werden künftig nach derselben Methode vermarktet und verpackt werden, nach der McDonald’s Hamburger verkauft. „Auflage 20 Milliarden!“ werden die Schutzumschläge melden, und hinter den Buchdeckeln kommt dann jeder auf seine Kosten. Ein Mc-Buch wird nicht nur fürs Lesen geschrieben, sondern für den Film, den Export, die Verbreitung als Fernsehserie. Adieu, Literatur, grüß Dich, Hollywood.

Natürlich fordert all diese Mc-Effizienz ihren Preis, vor allem von den Autoren. Verlage werden noch vorsichtiger gegenüber neuen Talenten sein. Sie setzen auf den Super-Autor, den sicheren Geldmacher. Wenn ein Autor nicht gerade durch die große Politik oder durch Bordellerfahrungen oder beides zugleich empfohlen wird, hat er Schwierigkeiten, einen Abnehmer zu finden.

Statt dessen verlassen die Verlagsmogule sich bei der Zusammensetzung ihrer Buchlisten auf Mc-Marktforschung. Das ideale Mc-Buch wird für jede Seite Text eine Seite Anzeigen aufweisen, eine Ferienreise für zwei Personen jedem versprechen, der den Mordfall lösen kann oder genug Buchcoupons sammelt. Und das Folgebuch wird schon auf die Schiene gesetzt. Das ideale Mc-Sachbuch wäre etwa „Das Handbuch der Mayflower Madame für kulturelle Bildung“.

Auch der Prozeß des Schreibens wird sich unter dem Druck der großen Profite ändern. Früher waren Schriftsteller von Berufs wegen Beobachter, die das Leben verfolgten, es deuteten, ihm Sinn gaben. Für Mc-Buchautoren, die wie ihre Verleger jedes Risiko scheuen müssen, wird das Schreiben zum Kochvorgang, streng nach Rezept: Man nehme zwei Frikadellen, Soße, Salat, Käse.

Das alles heißt gewiß nicht, geschäftlicher Erfolg und schriftstellerische Leistung schlössen einander immer aus. Aber machen wir uns nichts vor: Das Verhältnis von Bestsellern zu erstklassigen Verfassern ist ziemlich mager. Man braucht sich nur die Bestseller des Crown-Verlages anzusehen, von denen über eine Million verkauft wurden: „Wie ich die Erbschaftssteuer vermeide“, „Die großen Jäger“, „Sex macht Spaß“ und „Wozu tote Katzen taugen“. Kein Wunder, daß Random House der Versuchung nicht widerstehen konnte.

Das letzte Wort zu dem Thema gebührt dem englischen Essayisten Francis Bacon. Lebte er heutzutage, könnten wir von ihm das Bacon-Mc-Buch erhoffen. Vor rund 400 Jahren schrieb er: „Es gibt Bücher, die muß man kosten, andere, die muß man verschlingen, und einige wenige, die muß man kauen und verdauen.“

Wollen Sie es gleich hier lesen, oder soll ich es einpacken?

  • Sheldon Himelfarb lebt als Schriftsteller in Washington.