Ob ich ’ne Mark für sie hätte, fragte mich doch die stocksteife Lange mit den Farbklecksen in der Strubbeifrisur am Seiteneingang zum S-Bahnhof. In Ami-Schnürstiefel hatte sie ihre Jeans gestopft, und die rissen an mürben Stellen auf. Ich dachte, ich hole eine Mark raus, aber es war nur ein Fünfzigpfennigstück, reichte es ihr auf der flachen Hand rüber, und sie schlug unten dagegen und fing. Ich dachte, wenn sie in die Knie gehen würde, um die Bettelnummer aufzumotzen, könnte sie auch mit dem Mund die Kohle einfangen. Der war aber eher wie ein Schlitz.

Dann kam sie an einen aufgequollenen Typ. War das nun Wabbelfleisch oder steckte mehr drin, was sich da in den Ärmeln breit machte? Er holte ein paar Pfennige und Groschen raus und warf ihr das hin, weil sie gerade die Hand ausstreckte. Sie hätte es ja fangen können, ließ es aber runterfallen, trat darauf und schob es weg. Wollte es bestimmt nicht für später reservieren. Das sah einer, der zu der Langen gehörte mit einer Sichelfrisur, messerscharf und noch frisch und baute sich vor diesem Fleischladen auf, griff sich das weggeworfene Almosen und warf es dem Spender vor die Füße. Ich dachte, jetzt gibt es wegen der Groschen und Pfennige eine echte Wurf-Show, egal womit. Ob der mit der Sichelfrisur vielleicht ein Messer bei sich hatte? Er langte gerade in die Hosentasche, und ich dachte, wo würde der wohl zuerst reinstechen. Aber dieser Klumpen vis-ä-vis machte nicht mal eine Faust, wollte gestürmt werden. Die stocksteife Lange stand schon hinter ihrem scharfen Zugang, bereit, falls er sich auf den Sack da werfen würde, ihm noch Schwung dafür zu verpassen.

Sirenengeheul. Aber doch nicht deswegen. Auch keine Polizei, ein Unfallwagen war auf der Piste. Das regte alle auf. Endlich konnte es losgehen. Der Kraftmeier wollte diesem Wiesel in die Sichelhaube greifen, kam aber nicht ganz heran, die Lange haute ihm mitttendrin auf die Finger. Sonst nichts. Der Sichel-Wiesel senkte den Kopf, aber nicht zum Angriff, tat so, als wollte er den Bauch damit rammen. Sein Gegner winkte ab, und die Lacherei ging los. Ich holte ein Zweimarkstück aus der Tasche, das war es mir ja wert, und reichte es der Langen auf meinem Handteller. Sie nahm es runter und sah nach unten. Aber die Groschen und Pfennige waren weg, und sie legte die Hand mit dem Zweimarkstück auf die Schulter ihres Kumpels. Wollte sie ihn beschützen? Viel größer als er war sie nun auch wieder nicht. Er schüttelte ihre Hand ab und nahm sich die zwei Mark, winkte sie mit dem Zeigefinger dichter heran und sie rückte auch das Fünfzigpfennigstück von mir raus und noch ein paar Markstücke. In seiner Hand klimperte es nur so.