Doch auf all dieses kommt es in der europäischen Koproduktion von Rüstungsgütern kaum noch an. Denn der Tornado ist ein Gemeinschaftsprodukt der britischen, deutschen und italienischen Flugzeugindustrie, das keinen nationalen Exportbeschränkungen unterliegt. Spätestens der wirtschaftliche und politische Zwang zur Zusammenarbeit mit europäischen Partnern bei den Spitzenprodukten der Rüstungstechnik, und zwar gegen ein sonst drohendes Monopol der Amerikaner, hat die Bundesrepublik um ihre exportpolitische Unschuld gebracht. Wenn die anderen das Gemeinschaftsprodukt exportieren wollen, können wir sie nicht mehr daran hindern. Das sollte einmal anders sein. Der trilaterale Vertrag über die Entwicklung des Tornado enthielt noch eine Einvernehmensklausel: Kein Partner sollte die Maschine in Länder außerhalb der Nato exportieren dürfen, ohne daß die anderen damit einverstanden wären. Dieses Vetorechts hat sich die Bundesrepublik unter der Regierung Kohl im Frühjahr 1983 auf britischen Druck ein für allemal begeben; sie mußte es wohl, weil schon ihre Vorgänger bei deutsch-französischen Gemeinschaftsprojekten kapituliert hatten.

An die Stelle des Vetos ist seither die unverbindliche Konsultation getreten: Immerhin darf ein Rüstungspartner Einwendungen erheben, wenn er Bedenken gegen unsittliche Geschäfte des anderen hegt. Sie brauchen nicht befolgt zu werden, doch werden sie – auch öffentlich – gehört. Die Bundesregierung aber mußte vor dem Parlament gestehen, daß sie nicht nur keine Bedenken gegen den Briten-Export geäußert hat, sondern ihn aus Mitteln der überwiegend bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (!) sogar noch unterstützen wollte. Das ging nun selbst der Koalitionsmehrheit über die Hutschnur. Der Kanzler wird lernen müssen, draußen auch einmal nein zu sagen, wenn er seine innere Gefolgschaft beieinander halten will.