Bonn will Daimler alle Airbus-Risiken abnehmen. Das Konzern-Wohl wird zur nationalen Sache.

Edzard Reuter kann sich gratulieren. Dem Chef von Daimler-Benz scheint zu gelingen, was vor ihm kein deutscher Unternehmer schaffte: Er hat sogar die Bundesregierung davon überzeugt, daß für die Nation von Vorteil sein muß, was gut ist für seine Firma.

Wirtschaftsminister Martin Bangemann und Finanzminister Gerhard Stoltenberg wollen keine Kosten scheuen, um zu ermöglichen, daß Daimler nach AEG, MTU und Dornier nun auch den Luft- und Raumfahrtkonzern MBB bekommt. Das Zustandekommen dieses Rüstungsmolochs ist ihnen viele Milliarden wert. In Daimler glaubte die Regierung einst denjenigen gefunden zu haben, der ihr mit dem Airbus eine millionenschwere Subventionenbürde abnehmen würde. Es bleibt beim frommen Glauben.

Um Daimler-Benz als straffen Lenker für das bisher von Politikern beherrschte Rüstungsunternehmen MBB zu gewinnen, kam die Regierung nämlich Daimler-Chef Reuter so lange immer weiter entgegen, bis ihr ursprüngliches Ziel völlig zunichte ward: Die Airbus-Verluste würden bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag in Bonn bleiben. Bis zum Jahr 2000 ist die Bundesregierung bereit, Währungskursverluste des Gemeinschaftsflugzeuges automatisch auszugleichen und sich an der aus dem MBB-Konzern ausgegliederten Airbus-Tochtergesellschaft selbst zu beteiligen. Sollte der Europa-Flieger zur Jahrtausendwende noch immer nicht aus den roten Zahlen sein, wäre das für Daimler nicht tragisch. Auf eine eindeutige Festlegung, daß jede Bonner Hilfe für den Airbus im Jahr 2000 endet, hat sich Reuter nämlich schlauerweise nicht eingelassen.

Ein Subventionsgrab war der Airbus schon immer. Doch bisher hat die Regierung im nachhinein ausgeglichen, was in der Kasse fehlte. Jetzt wird im voraus garantiert, daß Bonn für die Verluste geradesteht.

Das ist ein Unterschied. Die Airbus-Manager von MBB bekommen nun womöglich schriftlich, daß es auf wirtschaftliches Arbeiten im Zweifel nicht ankommt. Die Länder Hamburg, Bremen und Bayern, die in der separierten Airbus-Gesellschaft eine Sperrminorität haben, könnten sich so ungehemmt den dringend nötigen Rationalisierungen widersetzen, weil sie um die Arbeitsplätze in ihren Regionen fürchten.

Schon jetzt ist zweierlei sicher: Sehr bald werden auch andere Exportindustrien den Ausgleich ihrer Währungsverluste vom Finanzminister verlangen. Zudem wird sich der schwelende Handelskrieg mit den USA verschärfen.