Nur mit einem Glas Wein, nicht mit Sekt" wollte der Landeshauptmann und Vorsitzende der Südtiroler Volkspartei, Magnago, auf den Kompromiß anstoßen, auf den er sich im Frühjahr mit der italienischen Regierung eingelassen hatte. Der 18 Jahre währende Streit zwischen Bozen und Rom um die Autonomie für die zu zwei Dritteln deutschsprachige Provinz an der Etsch ging denn auch keineswegs zu Ende.

Statt des Knalls von Sektkorken waren seit Mai 26 Bombenexplosionen zu hören – bisher ohne große Wirkung. Jetzt aber, als am letzten Sonntag eine Bombe die Sankt-Josefs-Kirche im friedlichen Weinort Eppan zerstörte, wurde Herkunft und Hintergrund der neuen Terroristen plötzlich erhellt: In einem Flugblatt warfen sie dem südtiroler katholischen Bischof Egger vor, er betreibe eine "Vermischungspolitik", weil er beiden Volksgruppen immer wieder predigt, zusammenzuarbeiten und einander zu respektieren. Niemand im frommen Südtirol, auch kein einheimischer Extremist, hatte die Kirche und ihren Oberhirten deshalb zu rügen gewagt; das Attentat erst verletzte das Tabu. Und mancher läßt jetzt den Friedensruf des Bischofs erst recht an sich heran.

Ungewiß ist freilich, ob dies ausreicht, um bei den Landtagswahlen am 20. November den Radikalen beider Lager Wind aus den Segeln zu nehmen. In der Südtiroler Volkspartei (SVP) selbst ist der gemäßigte Kurs Magnagos mehr denn je umstritten. Die italienischen Neofaschisten, ohnehin schon stärkste Partei in Bozen, wittern Morgenluft. Und der 74jährige Magnago selbst, der nicht mehr als Landeshauptmann kandidiert, würde am liebsten den Parteitag vom 10. Dezember aufs nächste Jahr verschieben. Doch aus der "Apartheid-Festung", als deren Erbauer ihn eben der Spiegel vorstellt, ist er schon ausgebrochen.

hjst.