Helmut Kohl hält viel von Männerfreundschaften und steht in Treue fest dazu. So ist es denn auch verständlich, daß er sich für arbeitslose Freunde einsetzt, so zum Beispiel für Hans Friderichs, ehemaliger Bonner Wirtschaftsminister, danach Vorstand bei der Dresdner Bank. Ganz früher war er Staatssekretär in Mainz unter der Regentschaft von Ministerpräsident Helmut Kohl, daher auch die Männerfreundschaft. Seit Friderichs Verurteilung wegen Steuerhinterziehung in Sachen Parteispenden sucht er vergeblich einen neuen Job. Die FDP wollte ihn fürs Europa-Parlament nicht haben, die Deutsche Sporthilfe mochte ihn auch nicht ganz oben an ihrer Spitze.

Jetzt hilft Helmut Kohl seinem Friderichs. Er soll in die Fußstapfen von Franz Josef Strauß, und zwar an die Spitze des Aufsichtsrats von Airbus Industrie. Wirtschaftsstaatssekretär Erich Riedl, Koordinator für die Luft- und Raumfahrtindustrie, hat den Wunsch des Kanzlers ausgerechnet dem Mann überbringen müssen, der selbst an die Airbus-Spitze will – an Hanns Amt Vogels, derzeit noch Vorstandschef von MBB.

Die Anzahl betuchter Aufsteiger, die zunehmend von Daimler auf BMW umsteigen, nimmt auch in Bonn zu. Wer auf sich hält und Anspruch auf Dienstwagen hat, bevorzugt neuerdings Nobelkutschen aus Bayern. Von den elf neuen Dienstautos, die Bonn in diesem Jahr für die Staatssekretäre gekauft hat, kommen bereits sieben aus der weiß-blauen Fertigung.

Von den derzeit 53 Staatssekretärs-Karossen stellt Daimler mit 30 zwar noch die Mehrheit, BMW folgt aber bereits mit 22. Ein einziges Fahrzeug stammt aus dem VW-Konzern. Der Parlamentarische Staatssekretär im Entwicklungsministerium, Volkmar Köhler, fährt Audi 200, was allerdings nicht verwundert. Köhler ist nicht nur in Wolfsburg zu Hause, er war bis 1982 auch Angesteller bei VW.

Die Perestrojka des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow verschafft dem Bonner Unternehmensberater Wolfram Hatesaul ein einträgliches Geschäft. Nach Rückkehr von seiner Moskau-Reise – Hatesaul gehörte zur siebzigköpfigen Wirtschaftsdelegation des Bundeskanzlers – teilte der Unternehmensberater mit, daß er künftig sowjetische Manager auf Vordermann bringen wird. Minister, Vizeminister und Führungskräfte sowjetischer Unternehmen sollen bei dem Unternehmer eine Elite-Schulung erhalten.

Wolfram Hatesaul rechnet damit, daß er pro Jahr rund 200 Manager aus der UdSSR trimmen wird. Die Kurse werden in exklusiver Umgebung stattfinden. Das P&M-Schulungszentrum befindet sich auf Burg Rheineck nahe bei Bonn und enthält First-Class-Suiten mit allem Komfort.

Die Atom-Geschäfte der Düsseldorfer Firma Alfred Hempel, die im Verdacht steht, schweres Wasser an deutschen Bestimmungen vorbei unter anderem nach Indien geliefert zu haben (siehe die ZEIT vom 21. Oktober, "Hempel läßt grüßen"), waren von der Bundesregierung gedeckt. Das jedenfalls ist der Kern der Aussagen von Hempel-Geschäftsführer Helmut Swyen vor dem Atom-Untersuchungsausschuß des Deutschen Bundestages. Der Hempel-Manager erklärte, alle Geschäfte des weitverzweigten Unternehmens seien stets nur mit Wissen und Zustimmung des Bonner Wirtschaftsministeriums erfolgt. Nach dieser Aussage wird jetzt mit Spannung der Zeugenauftritt von Wirtschaftsstaatssekretär Dieter von Würzen erwartet, der am 10. November vom Ausschuß vernommen wird. Schweres Wasser wird zum Betrieb von Schwerwasserreaktoren benötigt, aus denen waffenfähiges Material abgezweigt werden könnte. Aus diesem Grund sind Lieferungen an Länder, die den Atomwaffensperrvertrag nicht unterschrieben haben, verboten.