Trotz des Widerstandes von Umweltschützern hat die dänische Regierung jetzt grünes Licht für ein "Jahrhundertprojekt" gegeben: die landfeste Verbindung über den rund 20 Kilometer breiten Großen Belt.

Nach den Plänen, die jetzt von den Regierungsparteien und den oppositionellen Sozialdemokraten abgesegnet wurden, soll zunächst bis 1993 ein durch den Meeresboden gebohrter Eisenbahntunnel von Seeland zu der kleinen Insel Sprogö fertiggestellt werden. Vorgesehen sind dabei zwei Parallelröhren von 7,3 Kilometern Länge. Für die Verbindung von Sprogö nach Fünen – rund sechs Kilometer – soll eine Niedrigbrücke für Straße und Schiene entstehen.

Bis 1996, so der ehrgeizige Plan weiter, wird zusätzlich zwischen Seeland und Sprogö eine Straßenhochbrücke für den Verkehr freigegeben. Die Pfeiler sollen gut 240 Meter über den Meeresspiegel hinausreichen. Die Kosten des Gesamtprojektes beziffern Fachleute auf knapp 18 Milliarden Kronen, umgerechnet rund 4,5 Milliarden Mark.

Vorausgegangen waren dieser Entscheidung, mit der Dänemark nun endlich vollständig an den europäischen Kontinent angebunden wird, jahrelange Diskussionen. Als Alternative war immer wieder ein Brückenschlag zwischen dem dänischen Lolland und dem deutschen Fehmarn im Gespräch. Diese ohnehin schon strukturschwachen Randgebiete, so die Befürchtung, könnten durch die Jütland-Route um einen Lebensnerv gebracht werden.

Doch diese Aussicht vermochte die übergroße Parlamentsmehrheit nicht zu erschüttern, die sich 1986 auf den Grundsatzbeschluß für eine Große-Belt-Verbindung einigte! Ernste Zweifel am Sinn des Projektes weckte allerdings die Befürchtung, weder die ökologisch angeschlagene Ostsee noch die Staatskasse vertrügen ein solches Bauvorhaben.

Brückenpfeiler könnten sich als verhängnisvolle Hemmschwellen für den Salz- und Sauerstoffausgleich des Binnenmeeres erweisen und obendrein als Schlammsammler wirken, warnen nach wie vor Vertreter des dänischen Naturschutzverbandes und anderer Organisationen. Schäden befürchten sie auch durch das beabsichtigte Absaugen von Gestein aus dem Großen Belt. Jenes Geröll – derzeit sind hier noch Fischlaichplätze und eine weitgehend intakte Unterwasserflora zu beobachten – soll als Baumaterial für die Belt-Querung verwendet werden.

Abgesehen davon dämpfen auch die zu erwartenden Kosten von Tunnel und Brücken die Begeisterung. Preisprognosen mußten in der Vergangenheit immer wieder nach oben korrigiert werden. Zuletzt wurde auch die Baubranche unsicher. Eine Großwerft, die als qualifizierter und aussichtsreicher Bewerber um eine Ausführungsorder galt, meldete sich aus der laufenden Angebotsrunde ab. Die Geschäftsleitung fand das Projekt "politisch unstabil" und wollte deshalb die Firmenkapazität nicht daran binden.