Hamburg

Vor zwölf Jahren zog die Bildhauerin Inka Uzoma nach Hamburg-Eimsbüttel in den Langenfelder Damm 21 b. Damals fand sie hinter der Hoftür ein tristes Karree vor, Ascheimer, Sperrmüll, schmierige Platten. Frau Uzoma pflanzte Farne und Astern, Margeriten und Kastanien, Knöterich und Hopfen. Sie weißte die Mauern, baute eine Pergola, kaufte Tisch und Bänke. Inzwischen bedecken die Ranken wie ein grüner Pelz die Mauern, im Efeu nisten Amseln, und im Farn wühlt ein Igel. Das einzige, was die Idylle stört, ist die Nordelbe Grundstücksgesellschaft mbH, die im Sommer 1987 das Haus übernahm: Das Grün soll weg.

Um den Pflanzen eine Lobby zu verschaffen, beteiligte sich Inka Uzoma im Mai 1988 an dem von der Umweltbehörde ausgeschriebenen Wettbewerb "Unser grüner Hof" – und gewann prompt einen dritten Preis. "Phantasievoll, geschickt und sachkundig" habe sie das Wohnen in der Stadt "für sich und ihre Nachbarn angenehmer gemacht", so die Juroren. Die Hauseigentümer störte das nicht. Ob preisgekrönt oder nicht, es erging die schriftliche Aufforderung, "das Gewächs des ganzen Anbaus zu entfernen" und "die entstandenen Schäden zu beseitigen". Schäden? "Die würde ich nicht mal mit der Lupe finden", sagt Inka Uzoma, "im Gegenteil, wir haben die Wände getüncht und die Dachrinne abgedichtet, damit nichts ’reinwächst." "Die Dübel von gespannten Rankdrähten sind für das Mauerwerk nicht gefährlich", sagt Hans-Jürgen Mielenz vom Gartenbauamt, "und eine grüne Schicht hält Schlagregen ab." "Es handelt sich um Schäden im Mauerwerk", sagt Richard Reiser von der Nordelbe, "mehr wollen wir dazu nicht sagen."

Es gibt jedoch noch etwas dazu zu sagen. Die Nordelbe Grundstücksgesellschaft versucht nämlich schon seit Oktober 1987, Inka Uzoma aus der Wohnung herauszubekommen, eine Räumungsklage läuft. Der Anbau war bei ihrem Einzug als Gewerberaum ausgewiesen und als solcher könnte er heute an besserzahlende Betriebe vermietet werden. Es wäre sicher nicht der erste Fall, in dem das Grün dem Gelde geopfert würde. Am 18. Oktober lief das letzte Ultimatum der Nordelbe ab, noch wächst alles. Inka Uzoma: "Ich rechne täglich mit einem Trupp, der den Knöterich kappt – auf meine Kosten natürlich."

Angela Oelckers