Das neue Selbstbewußtsein national-konservativer Kreise artikulierte der namhafte Sachbuchautor Hideaki Kase in einem Vortrag vor dem Auslandspresseclub. Der Autor von Bestsellern über den Kaiser belehrte sein Auditorium, daß "Kaiser" nur eine höchst oberflächliche Übersetzung des Begriffs "Tenno" sei. Hirohito sei mehr als eine Majestät, nämlich "eine Heiligkeit", belehrte Kase die Korrespondenten. Japan habe im Zweiten Weltkrieg einen "gerechten Krieg" gekämpft, und "die moderne japanische Geschichte sei eine Geschichte der Reaktion auf die christliche Bedrohung", meinte Kase in aller Unschuld.

Kase, brillanter Redner und Berater diverser japanischer Premierminister vertritt im Schutz des Tenno-Kults dieser Wochen offen eine Weltanschauung, für deren Formulierung in den vergangenen Jahren eine Reihe von Kabinettsministern aus dem Verkehr gezogen werden mußte.

Während die Ära Showa ihrem Ende entgegengeht, ereilt den greisen Kaiser heute ein ähnliches Schicksals wie in den ersten 20 Jahren seiner Epoche "Erleuchteter Frieden": Je stärker der Tenno verherrlicht und ins Überirdische abgeschoben wurde, desto leichter war die Durchsetzung politischer Ziele in seinem Namen. Japans Zeitenwende trägt manche Züge einer Wende nach rückwärts.