Von Ludwig Siegele

Anfang Juli 1989. Als der frisch installierte Vorstandsvorsitzende des neuen Unternehmens "Deutsche Bundespost Postdienst" der Presse seine erste Aufwartung macht, sind die Journalisten perplex. In der nächsten Zeit werde er das Diensteangebot kräftig durchforsten. Der Paketdienst als Verlustbringer Nummer eins werde an einen privaten Konkurrenten verkauft. Auch Päckchen werde die Post nicht mehr verschicken. Nur der Briefdienst bleibe bestehen.

Die Ankündigung des neuen Chefs der "Deutsche Bundespost Telekom", der kurz danach die Öffentlichkeit sucht, macht die Sensation perfekt: Auch er werde die Geschäftspolitik radikal ändern. Der Fernmeldedienst Bildschirmtext sei in Zukunft nicht mehr tragbar. Das hochdefizitäre Fernsehkabelnetz werde meistbietend versteigert. Nur der profitable Fernsprechdienst werde weiterhin im Programm bleiben.

Unmöglich? Nicht ganz. Innerhalb der Logik der Reformabsichten von Bundespostminister Christian Schwarz-Schilling wäre ein solches Szenario durchaus denkbar. Setzt sich der Christdemokrat mit seinen Plänen zur Neustrukturierung der Post durch, dann sollen die einzelnen Dienste des Staatsbetriebs "jeweils die vollen Kosten und einen angemessenen Gewinn erwirtschaften". Und Geld wird die Post auf absehbare Zeit eben nur mit Briefen und Telephongesprächen verdienen.

Das jedenfalls ist das Ergebnis der Leistungs- und Kostenrechnung (Amtskürzel: LKR) der Post für das vergangene Jahr. Entsprechend groß war die Aufregung, als das umfangreiche Zahlenwerk Ende September im Postverwaltungsrat auf den Tisch kam. Die Kontrolleure des Staatsbetriebs legten dem Minister nahe, bald Konsequenzen zu ziehen. Ob er das tut, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Dann muß er mit seinem Haushaltsentwurf für das kommende Jahr fertig sein.

Die Verwaltungsräte werden sich den Entwurf diesmal sehr genau anschauen, bevor sie ihm zustimmen. Denn bei der Post drohen nicht nur einzelne Dienste, sondern die gesamten Finanzen in eine gefährliche Schieflage zu geraten. Waren die Einnahmen des Staatsbetriebs 1986 noch fast um 1,3 Milliarden Mark höher als die Kosten, so ist dieses Plus im vergangenen Jahr auf knapp 231 Millionen geschrumpft.

Und es soll, erwarten Schwarz-Schillings Ministeriale, noch schlimmer kommen: "Das Ergebnis der LKR 87 und die Entwicklung in den einzelnen Dienstleistungsbereichen lassen unschwer erkennen, daß für das Rechnungsjahr 1988 keine Kostenüberdeckung für die DBP insgesamt mehr erwartet werden kann", formulieren sie in einer Stellungnahme für den Postverwaltungsrat, mit dem Vermerk "Nur für den Dienstgebrauch".