Von Otto Köhler

Er letztlich war es, der Franz Josef Strauß als Verteidigungsminister stürzte und ihn dann Jahre später beinahe zum Kanzler der Bundesrepublik machte. Jetzt verbringt er seine späten Jahre damit, dem Strauß-Sohn Franz Georg zum Dr.lourd. zu verhelfen: Lothar Bossle war schon immer ein umtriebiger Mann. Im Januar 1954 schrieb er im Bundesorgan der Jungsozialisten „Klarer Kurs“ einen kritischen Artikel über die „Abendländische Akademie“ des Würzburger Professors Friedrich August von der Heydte, die „im modernen Vielparteienstaat“ und in der „durch ihn herbeigeführten Vergiftung des öffentlichen Lebens“ einen „Ausdruck neuzeitlicher Willkür“ erblickte. Der Spiegel griff mit Bossles Hilfe die Geschichte auf und machte sich von der Heydte zum Dauerfeind. Wegen des Verrats militärischer Geheimnisse zeigte dieser den Spiegel an; die Affäre führte zum Sturz von Strauß.

Doch da war Endauslöser Bossle schon auf der anderen Seite. Der ehemalige Juso-Chef und SDS-Vorständler wurde in Mainz Berater von Helmut Kohl, den er in Wut versetzte, als er immer nur kassierte und wenig lieferte. Hans Filbinger, dem ehemaligen Kohl-Kollegen in Stuttgart, gefiel er besser – Bossle bekam 1970 einen Professor-Titel für eine inzwischen abgebaute Pädagogische Hochschule in Lörrach. Dort war er so fleißig, daß Christ und Welt ihm bescheinigte: „Wo Bossle tätig wird, kommt gewöhnlich Bewegung in die Konten.“ 1972 machte er zusammen mit dem ZDF-Extremisten Gerhard Löwenthal und dem Schnaps-Fabrikanten Ludwig Eckes eine „Aktion der Mitte“ auf, die mit Riesengeldern der Industrie auf großen Anzeigen („Ein Sozialismus, der von 1933-1945, war genug“) Propaganda gegen die Sozialliberalen machte.

Und da hat schließlich auch Franz Josef Strauß höchstes Gefallen an Bossle gefunden: „Dieser Mann würde jeder bayerischen Universität zur Zierde gereichen.“

Soziologie der Wallfahrt

So geschah’s. Gegen den Widerstand nahezu der gesamten Alma mater wurde der gelernte Diplompolitologe Bossle 1977, auf ein Sondervotum des ehemaligen Wehrmachts-Psychologen und Parteifreunds Wilhelm Arnold hin, vom Kultusminister in die Universität zwangseingesetzt – auf einen zufällig gerade freien Lehrstuhl für Soziologie.

Bossle bedankte sich, indem er 1979 mit der Gründung einer „Liberal-Konservativen Aktion“ als möglicher vierter Partei die CDU dazu erpreßte, Strauß zum Kanzlerkandidaten zu machen.