und Kurier beteiligt hat, kontrolliert der neue Mega Komplex "KroKuWAZ" (Volksmund) mehr als 56 Prozent des Tageszeitungsmarktes.

Die WAZ Gmppe war nur der Schrittmacher für bundesdeutsches Medienkapital, das auf europäischer Anlagesuche Österreich entdeckte. Jetzt hat sich auch der Axel Springer Verlag Richtung Österreich in Bewegung gesetzt. Springer finanziert Oscar Bronners Standard. Der Hamburger Verlagsriese hat 50 Prozent der Oscar Bronner GesmbH erworben. Zwar will Bronner weder die Höhe des Startkapitals für seine Zeitungsgründung verraten, noch die genauen Prozentsätze, wie die beiden Partner die Finanzierung tatsächlich aufteilen, doch vermuten Branchenkenner, daß Springer den Großteil des Kapitals spendiert, während Bronner neben einer marginalen Einlage (von höchstens sieben Millionen Mark) sich selbst und das journalistische Know how einbringt. In der Öffentlichkeit wird Bronner jedenfalls nicht müde, Skeptikern, die an der Liberalität einer liberalen Zeitung aus dem Hause Springer zweifeln, zu versichern, daß er kraft seiner Verträge für die redaktionellen und inhaltlichen Belange als Eigentümer, Herausgeber und Chefredakteur ganz allein verantwortlich sei, während der Springer Verlag das verlegerische Know how beisteuere.

Tatsächlich geht Bronner, dessen Branchen Renommee als Zeitungsmacher auf der Gründung des Wirtschaftsmagazins trend und des Nachrichtenmagazins profil 1970 beruht, seit zwei Jahren, genauer: seit dem Waldheim Wahlkampf, mit der Ankündigung herum, er wolle eine neue Zeitung gründen. Er fand — und sagte das laut und überall — die Art der österreichischen Berichterstattung über Waldheim unwürdig, beschämend, provinziell, ja schlicht desinformativ. Immerhin war Bronner durch dreizehn Jahre New York Aufenthalt anderes gewöhnt, was Zeitungsqualität anlangt. Ihm schwebte für Österreich eine Zeitung nach dem Vorbild der Financial Times und des er sein Projekt provisorisch und begab sich auf die Suche nach Kapitalgebern.

Augenblicklich waren die Verhinderer, Haxlsteller und Hintertreiber zur Stelle. Vor allem die ultrakonservative Tageszeitung Die Presse, einen potentiellen Konkurrenten witternd, war sich für Stimmungsmache gegen Bronner nicht zu schade. Gerüchte wurden ausgestreut. Etwa so: Hinter Bronner stünden "jüdische Kreise von der amerikanischen Ostküste", die, erschrocken über die Wahl Waldheims, in Österreich eine liberale Gegenzeitung finanzieren wollten. Oder so: Der Kosmetik Milliardär Ronald Lauder, damals gerade als Reagans Botschafter in Wien ansässig, wolle das verstockte, antisemitische und US unfreundliche Österreich mittels einer pro amerikanischen Zeitung missionieren.

Zwar konnte dem Sohn des Wiener Kabarettisten Gerhard Bronner die Machart wienerischer Ränke nicht ganz fremd sein, dennoch war er überrascht, als sein Verhandlungspartner, eine große österreichische Bank, gleichsam über Nacht die fixe Finanzierungszusage rückgängig machte. Bronner vermutet eine massive, großkoalitionäre Verhinderungsstrategie: "Ich weiß, daß es Politiker gibt, die sich damit brüsten, dieses Zeitungsprojekt umgebracht zu haben".

Nach mehreren Fehlkontakten — etwa zu einem schwedischen Verlagshaus — hat Bronner schließlich in Axel Springer seinen Halbpartner gefunden. Auch eine Druckerei trieb er auf — das im Besitz der Sozialistischen Partei befindliche Druckhaus "Vorwärts". Daran wäre Der Standard (wie das "Wirtschaftsblatt" inzwischen definitiv hieß) noch knapp vor Erscheinen ums Haar gescheitert. Denn im September war der "Vorwärts" plötzlich konkursreif, und die SPÖ ließ nicht nur Bronners Vorkaufsrecht außer acht, indem sie ihr geschichtsträchtiges Druckhaus an den "KroKuWAZ" Riesen zu verkaufen trachtete, sondern sie rettete die Druckerei auch erst zwei Tage vor dem geplanten Standard Start " Aber den Nervenkrieg gegen die Verhinderer hat Bronner zunächst mal gewonnen. Der trendund >roz7 Gründer hatte 1974 seine Magazine so günstig an den Kurier Konzern verkauft, daß er sich von den Millionen 13 Jahre lang das Leben eines Privatiers und Hobbymalers in einem New Yorker Loft leisten konnte "Sonntagsmaler", spotteten die Kritiker seiner "verwelkten und faden" spätimpressionistischen Blumen- und Wiesenbilder. Nun kann er sich die vollkommen unwahrscheinliche Gründung einer liberalen Tageszeitung in einem Land gutschreiben, in dem es eigentlich keine Liberalen gibt. Seine Zielgruppe sind Intelligenzler, die sich den Standard als Zweitzeitung leisten wollen, und jene jungen und gebildeten Österreicher mit höherem Einkommen, die laut einer Untersuchung vom heimischen Tagespresse Angebot so angewidert sind, daß sie ihren Informationsbedarf in den Nachrichtenmagazinen und im Fernsehen stillen und gar keine Tageszeitung regelmäßig lesen.

Das Kalkül mit dem Snob Appeal war offenbar richtig. Die geschmeichelten Yuppies reagierten wie erhofft: Nach sechs Nummern kann der VizeChefredakteur und eigentliche Blattmacher, Gerfried Sperl, auf 6 000 Abonnenten verweisen, und Bronners angepeilte Zielauflage von 50 000 Stück ist auf Anhieb übertroffen. Das rosarote Blatt im "Berliner Format" mit dem elegant zurückhaltenden Lay out und der schönen Zapf Book Schrifttype ist schon jetzt täglich über 60 000 Käufern zehn Schilling wert. Der Inseratenmarkt hat so vehement auf das neue Edelprodukt angesprochen, daß die Zeitung statt der geplanten 24 Seiten meist 28 bis 32 Seiten hat.