Wer glaubte, die weltoffenen deutschen Bankmanager und Börsianer seien weit fortschrittlicher als die Tarifpartner der bundesrepublikanischen Wirtschaft, hat sich geirrt. Der absurde Streit um den Ladenschluß hierzulande hat ein Pendant in der Börsenwelt. Auch dort streiten seit Jahren Gegner und Befürworter einer Verlängerung der amtlichen Börsenzeit von zwei Stunden.

Nun hat ein Protagonist des verlängerten Börsenhandels die Segel gestrichen. Rüdiger von Rosen, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft deutscher Wertpapierbörsen, gab in München bekannt: "Eine Verlängerung der amtlichen Börsenzeit ist praktisch nicht durchsetzbar."

Aber dem Zug der Zeit werden sich die Börsianer doch nicht entziehen können. Wenn demnächst die deutsche Terminbörse ihre Arbeit aufnehmen soll, kann deren Geschäft allein wegen der internationalen Konkurrenz nicht auf zwei Stunden täglich begrenzt werden. Nun braucht die Terminbörse den Kassamarkt, um selbst handeln zu können, sonst läuft dort gar nichts. An längeren Börsenzeiten führt auch hier kein Weg vorbei. bm