Luftfahrtgesellschaften haften nur bis zu einem bestimmten Limit für den Verlust des Fluggepäcks.

Frau W. will zum Opernball und startet mit der letzten Maschine von München nach Wien. Bei der Ankunft in der Donaustadt bemerkt sie mit Entsetzen, daß ihr Koffer mit der großen Abendgarderobe nicht angekommen ist. Noch ist allerdings Zeit, sich neu auszustaffieren. Welche Kosten würde in einem solchen Fall die Luftfahrtgesellschaft übernehmen?

Der Haftungshöchstbetrag ist durch das Warschauer Abkommen von 1929 und durch ein Zusatzabkommen von 1955 grundsätzlich festgelegt: Er liegt in der Bundesrepublik pro Kilo Koffergewicht bei 53,50 Mark. Dieser Betrag gilt mit Ausnahme einiger afrikanischer und südamerikanischer Linien weltweit. In den USA beträgt die Summe 20 Dollar pro Kilo – unabhängig davon, was sich in dem Koffer befindet.

Der Höchstbetrag wird allerdings nur dann gezahlt, wenn der Koffer oder das Reisegepäckstück endgültig als Verlust abgebucht werden muß. Im Fall des nicht angekommenen Koffers mit Ballgarderobe würde bei einem angenommenen Gewicht von 20 Kilo die Haftungssumme 1070 Mark betragen. Nur bis zu diesem Höchstsatz ist die Luftfahrtgesellschaft verpflichtet, Entschädigung zu zahlen.

Kommt nun aber der Koffer mit der nächsten Frühmaschine in Wien doch noch an, dann wird der Erstattungsbetrag halbiert. Die Gesellschaft zahlt also maximal 535 Mark. Problemlos werden in der Regel die Kosten für Dinge des alltäglichen Bedarfs erstattet, wozu in diesem Fall auch das neue Hemd und das neue Paar Socken gehören.

Schwierig indes, wollte sich der Passagier einen neuen Anzug ersetzen lassen – es sei denn, er könnte nachweisen, daß dieser unbedingt notwendig war. Außerdem muß ein Selbstverschulden des Passagiers für das verspätete Ankommen des Koffers ausgeschlossen werden können.

Komplizierter wird die Rechnung, wenn bei Urlaubsantritt die Koffer nicht rechtzeitig am Ferienort eintreffen. Der Urlauber, so LH-Sprecher Bernd Wnuck, wäre falsch beraten, wenn er sich nun überstürzt neu einkleiden würde. Denn man könne im internationalen Luftverkehr davon ausgehen, daß das Gepäckstück spätestens am nächsten Tag an seinem Bestimmungsort eintreffen würde.

Zudem ist auch der Passagier gehalten, den Schaden, sprich die Ausgaben, so gering wie möglich zu halten. Ferner muß der Verlust des Gepäckstückes am Zielort sofort gemeldet werden. Dabei stellt sich meist heraus, daß aller Ärger verfrüht war, denn oft liegt schon ein Telex vor, das die Ankunft des Koffers mit der nächsten Maschine ankündigt. vb