"Yeelen – Das Licht" von Souleymane Cisse

Dem Philosophen Hegel galt Afrika als "geschichtsloser Kontinent", weil die Kultur der afrikanischen Völker erst spät sichtbar, noch später: lesbar wurde in den Entdeckungen der plastischen Kunst und der Literatur. Die innovativste Kraft des Kontinents scheint zur Zeit der Film des wirtschaftlich schwachen Westafrika zu sein. "Yeelen" erzielte Preise von Cannes bis Brüssel, war in Locarno und Berlin zu sehen. Der Regisseur aus Mali gilt als einer, der mit Europa keine Rechnung mehr zu begleichen hat. Er setzt sich mit der eigenen Gesellschaft auseinander.

Hier ist es ein mythischer Versuch über das Volk der Bambara. Der scheinbar vertraute Vater-Sohn-Konflikt bricht auf. Die zwei Konkurrenten um das Wissen der Eingeweihten, um den Zauber und den Bann verfolgen sich. Das ergibt eine unaufhörliche Bewegung, in der der Zorn der Angst hinterherjagt, in der Beschwörungen erfolgreich umgestaltend in die Natur eingreifen. Im Ansturm auf europäisch zentrierte Sinne bleibt das Geheimnis des Films gewahrt, man ahnt aber doch einen Entwurf zur Welt, der jenseits der vier Elemente liegt. "Yeelen" ist kein Film "über Afrika", sondern ein afrikanischer Film über die Bedingungen des Lichts und Schattens in der Sahel-Zone. Er schafft keinen Spiegel, er schöpft eine Welt. Karsten Witte

"Masquerade" von Bob Swaim

Hampton istder Ort für den Geldadel der amerikanischen Ostküste, die besseren Familien leben seit Generationen hier. Die wirklich guten Geschichten spielen sich in Hampton hinter vorgehaltener Hand ab: smarte Jünglinge und geile Millionärsgattinnen, flotte Bienen und gelangweilte Reiche. Geld und Sex sind die beiden Koordinaten hier: Gefühle lassen sich also schwer ausrechnen. Als die junge Millionenerbin Olivia (Meg Tilly) sich mit dem schönen Skipper Tim (Rob Lowe) einläßt, ist sie allerdings sicher, daß sie um ihrer selbst willen geliebt wird. Doch Tim segelte früher auf der "Obsession" und steuert heute die "Masquerade". Wovon war er früher besessen, was verbirgt er heute? Die Hinweise sind deutlich, die Überraschungen kommen dennoch hinterrücks. Mit drei gewaltigen Paukenschlägen übernimmt die Story die Regie. Die gläserne Eleganz von Bob Swaims Inszenierung und David Watkins Bildern wird dabei zerschlagen. Was Swaim in "La Balance" und vor allem "Half Moon Street" zu einem gewaltvollen Ende brachte, verpufft bei "Masquerade" in der Gewalt, die der Film sich selbst antut. So ist der neue Film des in Frankreich lebenden Amerikaners nur ein ordentlicher, romantischer Thriller geworden. Da hätte man von Bob Swaim mehr erwartet.

Michael Althen

"Einer trage des Anderen Last" von Lothar Warneke