Von Frank Drieschner

Fast lautlos strömt der Regen an dem glitschigen Betonufer der Baseler Innenstadt vorbei, umspült leise glucksend die beiden weißen Passagierschiffe aus Rotterdam und, etwas weiter stromab, die Ursula, das schwimmende Flüchtlingslager der Stadt.

Die Ärzte kommen in kleinen Gruppen von ihrer Podiumsdiskussion zurück. Sie haben über die Gefahr eines Atomkriegs gesprochen – ihr ständiges Thema, seit vor sieben Jahren die IPPNW, International Physicians for the Prevention of Nuclear war, gegründet wurde, um einem Dritten Weltkrieg vorzubeugen. 1985 verschrieben die Antikriegsärzte der Welt als Sofortmaßnahme das Ende aller Atomwaffentests; damals bekam die Organisation den Friedensnobelpreis. Inzwischen haben 200 000 Ärzte aus 61 Ländern dies Rezept unterzeichnet – die Tests gehen weiter.

Vier Tage lang wollen 200 IPPNWler jetzt auf zwei Schiffen beraten, wie sie die widerborstige Patientin zur Vernunft bringen könnten. Sie haben als Tagungsort den Rhein gewählt – als Abwasserkanal, Grenze, Handelsweg ein Symbol für Probleme, denen sich die Menschheit nach Ansicht der Antikriegsärzte widmen sollte, statt weitere Waffenberge aufzuhäufen.

"Wir haben die Vernunft auf unserer Seite", hat der amerikanische Herzspezialist Bernard Lown den Besuchern der Podiumsdiskussion eben versichert. Vor der Explosion der Challanger-Raumfähre, vor Tschernobyl, vor dem Abschuß der Jumbojets über dem Persischen Golf hätten die Verantwortlichen geglaubt, alles im Griff zu haben, und zu viele glauben es noch. "Wir müssen mit den Menschen reden", meint der Arzt, "wir müssen die Politiker überzeugen."

Nicht weit vom Bootsanleger brannte vor zwei Jahren eine Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz – damals spülte die Feuerwehr tonnenweise Gift in den Fluß, weil die Sandoz-Manager Löschwasser-Rückhaltebecken für überflüssig gehalten hatten. Inzwischen badeten die Baseler wieder im Rhein, erzählt ein Schweizer Arzt. Der Rhein zeigt nur eine schwarz glitzernde Oberfläche, als die Schiffe um Mitternacht ablegen.

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