Bei der Klöckner & Co-Pleite müssen auch Anleger bluten

Die Mitteilung war knapp und eindeutig: Die in den Genußscheinen verbrieften Rechte erlöschen; die Genußscheine sind damit wertlos. Mit diesen nüchternen Worten beendete die Deutsche Bank Ende der vergangenen Woche das kurze Leben eines Wertpapiers, das Klöckner & Co erst im Oktober 1986 Käufern als "attraktive Anlage" empfohlen hatte.

Damals emittierte das Duisburger Handelshaus Genußscheine im Nominalwert von einhundert Millionen Mark zum Kurs von 135 Prozent, so daß abzüglich der Kosten fast 135 Millionen Mark in die Kasse des Unternehmens flossen. Für Klöckner & Co hat sich diese Emission zweifellos gelohnt, doch für die Käufer dieser "reizvollen Ergänzung der Anlagepalette", wie es in der Werbung hieß, sieht das ganz anders aus: Sie haben zusammen 135 Millionen Mark in den Sand gesetzt.

Klagen enttäuschter Anleger sind da verständlich, zumal für die Klöckner-Genüsse – an der Börse Klöco-Scheine genannt – in diesem Jahr kräftig Reklame gemacht wurde. "Die Verlustlöcher sind gestopft, die Genußscheininhaber können in den folgenden Jahren durchaus mit höheren Ausschüttungen rechnen", kommentierte Klöckner-Chef Jörg A. Henle zur Jahresmitte die bis dahin erfreuliche Geschäftsentwicklung seines Hauses. Die mageren Jahre, für das letzte Quartal 1986 gab es 2,35 Mark und für 1987 nur die Mindestausschüttung von fünf Mark für einen Genußschein von hundert Mark, sollten vorbei sein.

Im Wertpapier, dem Vereinsblatt der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, wurde nach Henles rosigen Schilderungen schon auf eine Dividende für 1988 von dreizehn Mark pro Genußschein spekuliert. "Kurse von bis zu 170 Mark liegen durchaus im Bereich des Möglichen", jubilierte das Blatt. Damals lagen die Kurse der Genüsse noch unter neunzig Mark. Nichts, so schien es, könnte den Anlegern in diesem Jahr die Suppe versalzen. "Die Gefahr, daß das operative Ergebnis aufgrund außerordentlicher Ereignisse in 1988 abermals unter den Tisch fällt, ist verschwindend gering", urteilten die Wertpapier-Analysten bei ihrer Empfehlung der Klöco-Scheine.

Noch im September stellte die Frankfurter Bank Schröder Münchmeyer Hengst & Co (SMH) die Klöckner-Genüsse als eine "aggressive Anlagemöglichkeit" am eher lahmen Genußscheinmarkt heraus und fand dabei selbst nicht mehr durch die komplizierten Genußschein-Bedingungen bei Klöckner & Co hindurch. Die Analysten der Bank glaubten nämlich aus dem Emissionsprospekt herauslesen zu können, daß sogar bei einem Kapitalschnitt bei Klöckner & Co für die Genußscheininhaber nicht alles verloren ist. Zwar werde ein Bilanzverlust anteilig auf das Genußkapital und auf die übrigen Eigenkapitalposten verteilt, aber bei Jahresüberschüssen in den Folgejahren werde der Nennbetrag der Genußscheine wieder aufgefüllt, heißt es in ihrer Genußscheinstudie.

Da irrten die Experten der SMH-Bank. Der bei Klöckner & Co aus Öltermingeschäften entstandene Verlust von genau 699 Millionen Mark wird durch "Rückgriff auf Reserven und Risikokapital ausgeglichen – und zwar in jeweils vollem Umfang", heißt es in einer Presseerklärung der Deutschen Bank. Die Inhaber der Klöco-Scheine mußten zur Kenntnis nehmen, daß nicht nur Aktien, sondern auch Genußscheine Risikopapiere sind.