Mit einer Flut von Prozessen versucht die Steakhaus-Kette Churrasco die Mitbestimmung in ihren Betrieben zu verhindern

Von Roland Kirbach

Rüdiger Helm, Student der politischen Wissenschaften in München, darf sich zu den Privilegierten unter den Hochschülern zählen. Er hat eine billige, eigene Wohnung, und ein gutes Auskommen hat er auch. Rund tausend Mark werden ihm allmonatlich aufs Konto überwiesen – ohne daß er dafür etwas tun muß. Das Geld zahlt der Steakhaus-Konzern Churrasco in Düsseldorf.

In deren Filiale München-Tal hat Rüdiger Helm eigentlich einen Job, mit dem er sein Studium finanziert. Zum Leidwesen der Konzernoberen hat er sich aber darauf nicht beschränkt. Der politisch engagierte Student – er ist bei den Münchner Jungsozialisten aktiv – hat seine Kollegen so lange bearbeitet, bis sie einen Betriebsrat wählten. So etwas gab es in der Münchner Filiale damals noch nicht und gibt es auch heute nur in acht der insgesamt 28 bundesdeutschen Churrasco-Restaurants.

Als Helm erste Vorbereitungen für die Wahl traf, im Januar 1986, wollte das Unternehmen ihn rasch loswerden und kündigte ihm wegen angeblicher Rationalisierung. In der Münchner Lokalpresse indes suchte das Restaurant per Annonce neue Leute. Die Kündigung mußte zurückgenommen werden. Doch nur einen Monat später wurde Helm erneut gekündigt, diesmal wegen "oppunistischem und ungebührlichem Benehmen". Helm zog vors Arbeitsgericht, die Kündigung mußte wiederum zurückgenommen werden. Offengeblieben ist dabei bis zur Stunde, was man unter "oppunistisch" versteht. Es muß etwas Unerhörtes sein, denn Helm erhielt außer der Kündigung auch noch Hausverbot. Auch dies mußte freilich wieder zurückgenommen werden.

Im Mai 1986 konnte schließlich ein Betriebsrat gewählt werden, und Helm wurde sein Vorsitzender. "Dann haben wir eine Reihe von Arbeitsgerichtsprozessen geführt", berichtet er. So setzte die Arbeitnehmervertretung etwa die Abschaffung der sogenannten Teildienste durch. Statt von 12 bis 15 Uhr und von 18 bis 23 Uhr arbeiten die Beschäftigten nun acht Stunden am Stück. Vor allem aber erreichte der Betriebsrat die korrekte Eingruppierung des Personals. In der Regel würden bei Churrasco Kellnerinnen beispielsweise nicht als Kellnerinnen bezahlt, sondern als Hilfskräfte, berichtet Dieter Schormann, Geschäftsführer der Kölner Verwaltungsstelle der zuständigen Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG). Das bedeutet, statt des tariflich vereinbarten Stundenlohns von 8,60 Mark erhalten sie nur 6,98 Mark.

Aufmüpfiger Student