In der Nacht zum 10. November 1938 erhielt der Landrat des ostpreußischen Kreises Schloßberg, Wichard von Bredow, ein Fernschreiben der Gauleitung, die ihm mitteilte, daß in diesen Stunden alle Synagogen in Deutschland brennten. Polizei und Feuerwehr sollten nicht eingreifen. Bredow zog sich seine Wehrmachtsuniform an und verabschiedete sich von seiner Frau, Mutter von fünf Kindern, mit den Worten: "Ich fahre nach Schierwindt zur Synagoge und will als Christ und Deutscher eines der größten Verbrechen in meinem Amtsbereich verhindern." Er wußte, daß er sein Leben riskierte oder von der Gestapo in ein Konzentrationslager eingewiesen werden konnte. "Ich kann nicht anders handeln!"

Als SA, SS und Parteileute auftauchten, um Feuer zu legen, stand der Landrat bereits vor dem Gotteshaus. Er lud vor ihnen die Pistole durch; der Weg in die Synagoge ginge nur über seine Leiche. Darauf verzogen sich die Brandstifter. Die Synagoge blieb als einzige im Regierungsbezirk unzerstört. Niemand hat es gewagt, gegen den Landrat vorzugehen.