Jetzt werden sie ihn überall feiern, Amerikas ewig jugendlichen Helden, John F. Kennedy. Der Mann, der Vietnam hinter verschlossenen Türen den Krieg erklärte, wurde zum Glück für seinen Nachruhm vor 25 Jahren ermordet und fuhr deshalb gleich in den Himmel auf. Ein Dreivierteljahr vor seinem Tod, in der Euphorie der Kennedy Bewegtheit, erschien das erste Heft der wegs den Ehrgeiz, hieß es in einer Notiz für die Leser, alle oder auch nur alle wichtigen Bücher der Saison zu besprechen; für bedeutungslose oder ungeschminkt kommerzielle Bücher gebe es keinen Platz, es sei denn, eine falsche Bewertung müsse korrigiert oder die übertriebene Bedeutung eines Buches aufs Normalmaß verkleinert werden. Amerika, da waren sich die Redakteure sicher, hatte auf ihr Journal gewartet, jedenfalls brauchte es diese kritische Zeitschrift. In der Tradition der linken dreißiger Jahre sollte untersucht werden, was Literatur und Politik miteinander zu tun hatten. In den ersten beiden Heften äußerten sich dazu unter anderem Mary McCarthy, W H. Auden, Norman Mailer, Gore Vidal und Edmund Wilson. Das waren gestandene Linke, die mißtrauisch den relativen Erfolg der Modernen verfolgten, mit der Bürgerrechtsbewegung sympathisierten, später aber vor Black Power zurückzuckten, die mithalfen, den Vietnamkrieg zu beenden und Nixon zu stürzen und die schließlich ihre beste Zeit unter der Operettenregierung von Ronald und Nancy erlebten. Als regierungsamtlich die Parole ausgegeben wurde, "Gott will, daß wir Republikaner werden" (wie es Alfred Kazin formulierte), betrieb die New- York Review stur Aufklärungsunterricht über diese gottesfürchtigen Republikaner: Wo sie herkamen, welches Geld sie vertraten und wieviel sie davon im Weltraum und gegen das Reich des Bösen verjubelten.

In der Literaturkritik waren sie weniger vif: Saul Bellow, Joseph Heller und immer wieder Philip Roth. Da blieb die Ostküstenfirma unter sich, da lobte und tadelte man sich gegenseitig, weil man einst dieselbe Schule besucht hatte (wie Bernard Malamud und Alfred Kazin) oder weil Philip Roth mit seinem Literatur Tratsch nur immer Sendschreiben an seine Freunde schickte. Da konnte sich John Updike auch einen Totalverriß seines Lebenswerks einfangen, weil, ja, weil er eben ein WASP ist und kein jüdischer Intellektueller.

Mögen sich die anderen auch dem fröhlichen, all amerikanischen Dumpfsinn ergeben, die New der Jubiläumsnummer schreibt Joan Didion über den Präsidentschaftswahlkampf, George F. Kennan bespricht die Memoiren von Andrej Gromyko, John Osborne die von Ingmar Bergman, und Susan Sontag schreibt über AIDS. Jeder dieser Artikel wäre für eine Tageszeitung, wäre selbst für nes Karikaturen abgesehen, ohne Gimmicks aufgemacht, benutzerunfreundlich bis zur letzten Konsequenz. Bis man wenigstens die drei, vier wichtigsten Stücke gelesen hat, sind die Seiten vergilbt und zerfleddert, vor allem aber liegt längst eine neue Nummer da, mit noch interessanteren Aufsätzen, noch längeren Essays. Ach, es ist eine Lust zu lesen! W W,