Was wäre dabei herausgekommen, wenn der frühe Joan Miró sich dem Animationsfilm zugewandt und seine surrealistischen Traumbilder in Bewegung versetzt hätte? Wir mögen es uns ausmalen, indem wir in unseren Köpfen die Texte von Joseph V. Foix inszenieren, des wohl bedeutendsten katalanischen Autors zumindest unseres Jahrhunderts. Foix, im Jahre 1893 geboren wie sein Freund Miró, mit dem er gelegentlich zusammenarbeitete, und gestorben 1987 in seinem Heimatort Sarriä, hat sich nie als Surrealisten sehen wollen, doch die enge Verwandtschaft ist kaum zu leugnen.

Vor allem die frühen Texte des Auswahlbandes "KRTU und andere Prosadichtungen" bestehen fast ausschließlich aus Bildern ohne Aura und Tiefe, die sich in Mutationen und Metamorphosen fortwährend dem Zugriff des Ichs entziehen. Einige Requisiten tauchen leitmotivisch auf: Fahnen, Mauern, Vögel, aber auch amputierte Hände, die durch die Szenarien schweben, und die "metallenen Projektionen" einer Technik, die der Natur ihren poetischen Rang abzulaufen droht. Projektionen sind im übrigen die Texte insgesamt, insofern sie nämlich Traumtexte sind und die Untergründe der Psyche zuoberst zu kehren suchen.

Zumindest ein Teil der Arbeiten ist aus Traumaufzeichnungen hervorgegangen. Traum, Nacht, Schwärze und das weiße Nichts tauchen auffallend häufig aus den Bildfluten auf, und das Ende wird oftmals durch "den nächtlichen Anbruch des Tages" gesetzt. Das Ich bleibt lethargisch und gehemmt; selbst die eigene Aktion wird passiv erlitten.

Gehemmt bleibt das Ich noch in anderer Hinsicht: es ist sprachunfähig. Die Arbeiten Foix’ fassen das in Worte, was ihr Ich aussprechen würde, "wenn meine Stimme mir nicht immer versagen würde; mein Gott, immer versagt sie mir." So entstehen aus der Unmöglichkeit des unvermittelten Aussprechens bildhaft vermittelte Sprachgebilde, "um auf Grund meiner selbst den Liedern zu lauschen, die mir in der Kehle aufschluchzen und auf den Lippen ersterben." Wer will, kann hier auch einen Reflex auf die Unterdrückung der katalanischen Sprache nicht nur unter Franco sehen, gegen die Foix aufbegehrt, indem er sie zu seiner einzigen macht; damit setzt unweigerlich die Furcht des erklärten Katalanen, des verschwiegenen Dichters und eben auch des projektions-produzierenden Träumenden ein, "jemand könne mich bespitzeln". Katalonien bleibt für Foix stets einbezogen in jenes Land, "in dem die Blüten des Ultra-Traums mit dunkelroten Kelch- und nachtblauen Kronenblättern aufgehen". Friedhelm Rathjen

  • J. V. Foix:

KRTU und andere Prosadichtungen Herausgegeben, aus dem Katalanischen und mit einem Nachwort von Eberhard Geisler; Vervuert, Frankfurt 1988; 188 S.; 24,80 DM