Von Fritz Vorholz

Die Erkenntnisse sind alarmierend, die Konsequenzen tiefgreifend. Sonst eher nüchterne Wissenschaftler-Gremien übertreffen sich in der Beschreibung von Endzeit-Szenarien: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft warnt vor der "drohenden Klimakatastrophe", die Meteorologische Gesellschaft beschreibt sie als "eine der größten Gefahren der Menschheit", und die vor wenigen Monaten bei der Weltklima-Konferenz in Toronto versammelte internationale Fachwelt kam zu dem Schluß, daß die Gefahr nur mit einem "globalen Nuklearkrieg" zu vergleichen ist. "Jetzt muß gehandelt werden", heißt es in ihrer Konferenz-Resolution.

Der Grund für diese Horrorvisionen: Die Menschheit bläst immer größere Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre und verändert dadurch die chemische Zusammensetzung der Lufthülle. Wie in einem Treibhaus führt das dazu, daß die Wärmeabstrahlung von der Erde in den Weltraum blockiert wird und die Temperatur ansteigt: nach klimatologischen Modellrechnungen zwischen drei und neun Grad in den nächsten hundert Jahren. Der Energiehaushalt der Erde gerät dadurch gründlich aus dem Gleichgewicht.

Die nun so dramatisch publik werdenden Gefahren für das Weltklima müssen vor allem die Energieanbieter und -verbraucher in Aufruhr versetzen. Durch die Verfeuerung von Kohle, Öl und Gas in Kraftwerken und Fabriken, Autos und Heizungen sind sie die Hauptschuldigen an der Klimakrise. Denn bei der Verbrennung dieser fossilen Energieträger wird unweigerlich das Klimagift Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Derzeit gelangen jährlich weltweit etwa 21 Milliarden Tonnen davon in die Atmosphäre. Soll die weitere Erwärmung nur begrenzt werden, muß diese Menge schnell und drastisch reduziert werden: bis zur Mitte des kommenden Jahrhunderts auf weniger als ein Zehntel des heutigen Wertes.

Mit Ratschlägen, wie das erreicht werden kann, tun sich nun ausgerechnet die Energieanbieter hervor: durch den Bau von Kernkraftwerken, aus deren Schornsteinen kein CO2 dringt. Stets auf der Suche nach Argumenten für ihre umstrittenen Stromfabriken, wirbt die Branche jetzt in Zeitungsanzeigen mit dem Slogan "Kernkraft gegen Klimakatastrophe".

Dabei bekommt sie kräftig Beistand aus Bonn – von Albert Probst, dem Staatssekretär im Forschungsministerium. Er läßt sich vom Informationskreis Kernenergie mit dem Satz zitieren, daß "vor allem durch den Einsatz der sauberen Kernenergie" die Klimakatastrophe noch aufgehalten werden kann: "Und wenn wir es nicht tun", so Probst, "wird niemand sagen können, er habe von nichts gewußt."