Ganz eindeutig entschieden sich indes die zuständigen Mitarbeiter im Bundesverteidigungsministerium für das Blohm + Voss-Angebot. Verständlich, denn wer würde da nicht zuschlagen, wenn’s eine neue Fregatte zum Preis der alten gibt...

Die Wirtschaftlichkeit allein soll jedoch nicht ausschlaggebend gewesen sein. "Für uns sind drei Kriterien maßgeblich", meinte Rüstungsstaatssekretär Professor Manfred Timmermann im kleinen Kreis, "der militärische Bedarf, das wirtschaftlichste Angebot und Industrie- und strukturpolitische Erwägungen, wobei ausdrücklich die Struktur des Schiffbaus und der Ausrüster gemeint ist."

Dieser Drei-Punkte-Katalog müßte nachdenklich stimmen; er hat bereits den Vulkan und die AEG auf den Plan gerufen. Sie haben nämlich mittlerweile ebenfalls ein gemeinsames Angebot für eine neue Fregatte abgeliefert. Jetzt liegen folglich zwei technisch und wirtschaftlich identische Werften-Offerten vor. "Wenn aber die struktur- und regionalwirtschaftliche Komponente so wichtig ist für die Entscheidung im Bundesverteidigungsministerium, dann müßten auch wir den Auftrag bekommen", meinen die Bremer.

Für die Werftindustrie an der Weser wäre die Bestellung ein warmer Regen: Jeder weiß, daß die Aufträge aus dem Bundesverteidigungsministerium nicht nur Beschäftigung, sondern auch Geld bringen. Kriegsschiffbau wird nicht nur pünktlich, sondern auch hervorragend entlohnt. Auch wenn die deutschen Werften ihre Kriegsschiffertigung zum Teil vornehm-zurückhaltend als "Sonderschiffbau" oder "Sonderfertigung" bezeichnen, so machen sie dennoch längst keinen Hehl mehr daraus, daß sie auf Marineaufträge sowohl für die Bundeswehr als auch für den Export angewiesen sind.

Einige Werften haben denn auch inzwischen das Schwergewicht ihrer Unternehmenspolitik ganz unzweideutig auf den Bau von Kriegsschiffen gelegt – mehr oder weniger schamhaft. Hinter den Kulissen, unbemerkt von der Öffentlichkeit, ringen die in der jüngsten Vergangenheit arg gebeutelten Schiffbaubetriebe indes um so härter um Rüstungsaufträge. Doch die Werften selbst, sagen Schiffbauexperten, spielen nur vordergründig die Rolle der Agierenden; in Wahrheit verbergen sich hinter ihrem Kampf Entscheidungsträger in Bonn und Brüssel.

So ist es nicht verwunderlich, daß seit Monaten in der Küste gemunkelt wird, die Hamburger Blohm + Voss-Werft sei ausersehen, Zentrum des Überwasser-Marineschiffbaus zu werden – was durch diesen aktuellen Fregatten-Auftrag nur bestätigt würde. Denn: Blohm + Voss, eines der traditionsreichsten deutschen Schiffbauunternehmen, hat den Bau von Handelsschiffen schon seit geraumer Zeit praktisch eingestellt. Mit Konzernunterstützung (B + V gehört zu sechzig Prozent Thyssen und zwölf Prozent Siemens) haben die Hamburger zielgerichtet ihr Schwergewicht auf den Bau von großen Marineschiffen verlagert und ausgebaut; bei Großaufträgen, so berichten Kenner, kooperieren Blohm + Voss und die HDW ideren Großeigner Salzgitter, also der Bund, ist) bereits heute. Die "guten" Exportaufträge laufen schon heute automatisch auf diese Anbieter zu, 31ohm + Voss wird wohl auch – im nächsten Jahr – den lukrativen Auftrag einheimsen können, Fregatten für Australien zu bauen ...

Alle Anzeichen deuten also darauf hin, daß es weh in der deutschen Schiffbauindustrie demnächst einen Rüstungskonzern geben wird. Dem Bund könnten solche Bestrebungen sogar höchst gelegen kommen: Einige Regierungsmitglieder monieren seit langem, daß die deutschen Schiff-Dauunternehmen im Marineschiffbau zuwenig zusammenarbeiten. Insbesondere bei Exportbemühungen für Kriegsschiffe treten sie als harte Wettbewerber auf – was häufig genug von den Regierungen der Bestellerländer mit Unverständnis registriert wird.