Für jene Werften, die vor allem Handelsschiffe sauen, könnte ein Monopol, ein maritimer Rüstungskomplex, tödlich sein. Das gilt natürlich auch für den Bremer Vulkan, der sich erst Anfang dieses Jahres in einem – auch für das Land Bremen gewaltigen – Kraftakt ein Überlebenskonzept zurechtgeschneidert hat.

Kein Wunder also, daß in Bremen nun Katastrophenstimmung herrscht. Werftarbeiter, Manager und Politiker aller Couleur (mit Ausnahme der Grünen) sind wütend und enttäuscht über die Bonner Entscheidung – für die allerdings noch die parlamentarische Zustimmung erforderlich ist. "Wir haben doch", sagen die Vulkanesen, "acht Fregatten für die Bundesmarine technisch einwandfrei und zur Zufriedenheit des Auftraggebers gebaut. Da können wir doch jetzt nicht einfach ausgetrickst werden." Bonner Abgeordnete und Hamburger Schiffbauexperten reden hinter vorgehaltener Hand von "einer gezielten Aktion gegen Bremen", von "einem Monopolisierungsversuch mit Hilfe des großen Geldes" oder auch ganz kraß von einem "toll gespielten Ding der Thyssen-Lobby".

Deren Blohm + Voss-Werftmanager haben sich übrigens einen nicht nur fachlich exzellenten, sondern auch unter politischen Gesichtspunkten hervorragenden Partner für den Fregattenauftrag F 123 ausgesucht – das Bremer Unternehmen Krupp Atlas Elektronik. "Wir sind dabei, weil Blohm + Voss den Auftrag bekommen hat", bestätigte ein Sprecher, "wir hatten auch dem Vulkan ein Angebot unterbreitet..." Doch der Vulkan plante, die gesamte Elektronik vom Arge-Partner AEG abwickeln zu lassen, nur Teile der Sonartechnik an die Krupp-Atlas-Fachleute weiterzugeben. Hennemann: "Wir arbeiten schließlich seit Jahren ausgezeichnet mit AEG zusammen." Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen nun auch, so heißt es, alle Bataillone in Bewegung setzen, die die Entscheidung des Bundesverteidigungsministeriums revidieren helfen könnten.

Auf Bremens Politiker kommen harte Wochen und Monate zu – im doppelten Sinn. Denn: Die sichere, millionenschwere Auftragsvergabe an Krupp Atlas Elektronik, die unter anderen Umständen größeren, Jubel ausgelöst hätte – darf derzeit nicht einmal laut erwähnt werden.