Europa muß die vielen zersplitterten Programme besser koordinieren

Von Otto Ulrich

Für viele Europäer ist Antonio Ruperti ein Hoffnungsträger. Der kleine Professor hat eine Vision und als italienischer Minister für Forschung und Universitäten auch ein Amt, das ihm die Chance gibt, der europäischen Forschung eine neue Perspektive zu öffnen. Er ist davon überzeugt, daß die von der gemeinsamen Forschung in Europa ausgehenden Impulse auch im kulturellen Bereich durch eine enge Zusammenarbeit der europäischen Universitäten abgesichert werden müssen.

Rolf Linkohr, der Sprecher der sozialistischen Gruppe im Europäischen Parlament für Energie, Forschung und Technologie, sucht "reale Utopien dieser Qualität", wie er jetzt auf einem Treffen von Vertretern der europäischen Linken im schottischen Edinburgh hervorhob. Dort ging es um die Suche nach Perspektiven für Forschung und Technologie in Europa – jenseits des konservativen Politikstils von heute. "Der europäische Binnenmarkt wird ab 1993 auch einen Umbau der europäischen Forschung notwendig machen. Und dazu müssen heute schon neue Ansätze entwickelt werden." Für Linkohr stellt sich die Grundfrage, ob im Hinblick auf diesen Binnenmarkt schon alle Weichen für die Zukunft der gemeinsamen europäischen Forschung richtig gestellt sind oder ob wir vor ganz neuen Bedingungen stehen.

Aber was ist das, die europäische Forschung, von der viele meinen, die Zukunft Europas hänge davon ab? Sie gleicht einer dreischichtigen Matrjoschka-Puppe: innen der Kern, bestimmt vom EG-Mehrjahres-Forschungsrahmenprogramm 1987 bis 1991, und, zusätzlich, merkwürdig miteinander verschachtelt, Eureka, die Europäische Forschungskooperation. Zwischen innen und außen eine Fülle internationaler Forschungseinrichtungen wie die Europäische Weltraumagentur Esa in Paris oder die Europäische Organisation für Kernforschung Cern in Genf. Das aber, was der Puppe ihre äußere Gestalt gibt und wegen seiner Mächtigkeit alles mit beeinflußt, sind die nationalen und bilateralen Forschungsanstrengungen der einzelnen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft sowie das seit neuestem wachsende Forschungsengagement des europäischen Big Business mit seinen eigenen grenzüberschreitenden Forschungskooperationen.

Dieses geballte öffentliche und private Forschungspotential, das die zwölf Mitgliedstaaten der Gemeinschaft im vergangenen Jahr für Forschung und Technologie aufbrachten, betrug – so schätzt das Forschungsinstitut Battelle – 78 Milliarden Ecu; die USA kamen auf 100 Milliarden, die Japaner auf 69 Milliarden Ecu. (1 Ecu = 2,07 Mark). Insider wissen längst, daß aus der Summe der nationalen Forschungsegoismen noch keine europäische Qualität entsteht. Der Nachgeschmack bleibt, nämlich die Erkenntnis, welche Wegstrecke politisch noch zurückgelegt werden muß, um das zu erreichen, was stets postuliert wird, nämlich eine gemeinsame europäische Forschungs- und Technologiepolitik "aus einem Guß" – anstelle der schlecht koordinierten Dynamik von heute.

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