Der runde Tisch mit einem Durchmesser von neun Metern ist fertig und steht im Jablonna-Palast unweit Warschaus. Aber ob die vorgesehenen Teilnehmer, die an ihm Gespräche führen sollen, je dort Platz nehmen werden, das erscheint höchst ungewiß.

Oft ist es verblüffend, wie es den Polen gelingt, für ein unendlich verzwicktes Problem eine überraschend einfache Lösung hervorzuzaubern. Noch nie jedoch ist umgekehrt eine anvisierte Lösung, die nach langen Streiks, intensiven Verhandlungen, schmerzhaften Kompromissen und verheißungsvollen Zusicherungen endlich gefunden wurde, so jählings, so provokant zerstört worden. Die Mitteilung, daß die Lenin-Werft zum 1. Dezember geschlossen wird, ist ganz unbegreiflich – ausgerechnet die Lenin-Werft, die zum Symbol der Freiheit, zur Hoffnung auf Reformen, zum Rückhalt des von der Regierung bekämpften Walesa geworden war.

Für eine Schließung mit der Begründung: "unwirtschaftlich" hätte, so sollte man meinen, eine ganze Reihe anderer Großbetriebe zur Verfügung gestanden; wie überzeugend wäre es gewesen, wenn am runden Tisch über die notwendigen Schritte zur Wiederbelebung oder Schließung der Werft beraten worden wäre. Dff